10 feministische Bücher, die du kennen solltest – Teil 3

In diesem dritten Teil der Reihe “10 feministische Bücher, die du kennen solltest” geht es vor allem um Intersektionalität. Es geht darum, wie gerade weiße Feminist*innen ihre Positionen nutzen können, um zu helfen. Es geht um trans sein, um Mehrfachdiskriminierung und Wirklichkeiten, die von Sprache generiert werden. Natürlich sind auch wieder ein paar Grundlagenbücher dabei, andere setzen schon ein Gewissen Verständnis zum Thema voraus. Zur Sicherheit sind hier daher auch nochmal Teil eins und Teil zwei der Reihe empfohlen.

Trans. Frau. Sein. Aspekte geschlechtlicher Marginalisierung – Felicia Ewert

Habt ihr euch schon einmal mit der rechtlichen Situation von trans Personen auseinander gesetzt? Oder allgemein mit Gender Theory und Transfeminismus? Falls nein, ist das Buch von Felicia Ewert eine gute Gelegenheit, mit dem Thema zu beginnen. Vielleicht sogar die beste. Verständlich und doch wissenschaftlich strukturiert hat sie viele Fakten aufbereitet, erklärt Begrifflichkeiten und Umstände. Auf 176 Seiten hält sie dem Mainstream-Feminismus einen Spiegel vor. Wie schnell denken wir eigentlich in Geschlechterrollen? Dieser Wunsch, alles fein ordentlich in Schubladen zu sortieren, ist selbst bei denen, die sich viel und lange mit Feminismus auseinander setzten, allgegenwärtig. Wenn wir alle zuhause nur halb so ordentlich wären, dann – eigentlich egal. Menschen gehören nicht Schubladen – und Felicia Ewert sensibilisiert in ihrem autobiographischen und fachlich so wertvollen Buch dafür, endlich Cissexismus zu hinterfragen und respektvolle Kommunikation auf Punkt eins der Agenda zu setzen.

Klappentext von “Trans. Frau. Sein. Aspekte geschlechtlicher Marginalisierung”

“Das Buch beschreibt bestehende Diskriminierungsmechanismen, die sich gegen transgeschlechtliche Menschen richten. Die Kritik der Autorin bietet auf gesellschaftlicher Ebene Einblicke in rechtliche Aspekte des „Transsexuellengesetzes“, in medizinischpsychologische Bereiche wie z. B. die Gutachtenpraktiken und auch in ausschließende Mechanismen cisnormativer Feminismen. 
Trans. Frau. Sein. ist eine Kombination wissenschaftlicher Arbeit, überspitzter satirischer Darstellung, Dekonstruktion von Cissexismus und autobiographischer Elemente aus dem persönlichen (Er)-Leben der Autorin.” (Quelle)

Erschienen am 26. Januar 2020 bei Edition assemblage, ISBN: 978-3-96042-071-2

Schwierige Frauen – Roxane Gay*

21 Kurzgeschichten hat Roxane Gay für dieses Buch zusammen geschnürt. 21 Schicksale, einundzwanzig mal Feuerwerk mit Ohropax, brutal ehrliche Einblicke in die Welt privilegierter und weniger privilegierter Frauen. “Schwierige Frauen” ist kein Buch für einen Abend. Es ist teilweise so aufwühlend und tiefsinnig, mitunter sogar abstrakt. Daher musste ich über dieses Wunderwerk auch eine ausführlichere Rezension schreiben.

Klappentext von “Schwierige Frauen”

“Diese Frauen kämpfen, diese Frauen geben nicht auf. Diese Frauen sind unsere Gegenwart: arm, reich, schwarz, weiß, sie sind Ehefrauen, Mütter, Wissenschaftlerinnen, Nachbarinnen, Verbrecherinnen, Liebende, Mächtige, von Gewalt Heimgesuchte. Das Schwesternpaar, das seit ihrer gemeinsamen Entführung als Kinder unzertrennlich ist. Die Frau, die mit einem Zwilling verheiratet ist, der manchmal von dessen Bruder ersetzt wird. Die Stripperin, die aufs College geht, und die schwarze Ingenieurin, die ihre Vergangenheit nicht vergessen kann: Sie alle sind gleichzeitig zu viel und zu wenig. Wir sind wie sie und geben nicht auf.” (Quelle)

Erschienen am 9. November 2021 bei btb, übersetzt von Anne Spielmann, ISBN: 978-3-442-75916-3

Alles über Liebe – bell hooks

Eigentlich muss man nicht viel über die Bücher von bell hooks sagen – oder? Als eine der bedeutendsten feministischen Stimmen des 20. und 21. Jahrhunderts war sie auch immer Verfechterin intersektionaler, antirassistischer und kapitalismuskritischer Gedanken – und ihre Werke werden auch noch lange zu den wichtigsten Basiswerken gelebten Feminismus’ gehören. Doch “alles über liebe” ist vielleicht eines meiner liebsten Bücher. Obwohl sehr auf US-Amerika fokussiert, lassen sich viele Aussagen und Gedanken auch adaptieren.

Feminismus zerstört keine Liebe

Als eines der ersten Bücher, die ich je bewusst aus feministischer Perspektive gelesen habe, ist mir vor allem die ohrenbetäubende Stille im Gedächtnis geblieben, die das Buch beim Lesen verursacht. Wie oft wird dem Feminismus vorgeworfen, Familien und Beziehungen zu zerstören? In “alles über liebe” beschreibt bell hooks, wie es wirklich ist. In jedem Kapitel befasst sie sich dafür mit einem Aspekt von Liebe, erläutert ihren Standpunkt, stellt externe Werke vor – und macht dann Vorschläge, wie wir unsere gesellschaftliche und kulturelle Denke umkehren können. Statt Geschlechterstereotypen, Dominanz, Kontrolle, Ego und Aggression gibt es also Respekt, Anerkennung, Engagement, Vertrauen und offene und ehrliche Kommunikation.

Klappentext von “alles über liebe”

In ihrem provokativen und zutiefst persönlichen Werk entwirft die bekannte Wissenschaftlerin, Kulturkritikerin und Feministin eine neue Ethik für unsere Gesellschaft der Lieblosigkeit. (…) Mit scharfem Verstand stellt sich bell hooks der schwierigen Frage, was Liebe bedeutet. Ihre Antworten sind immer bestechend und treffen bis ins Mark. Und am Ende erschließt sich eine neue Sicht auf die Liebe: einer angstbefreiten Liebe, die von sakraler Kraft getragen, erlösend und heilsam ist – nicht nur heilsam für Individuen, sondern für eine ganze, in sich gespaltene Nation. (Quelle)

Erschienen am 20. Juli 2021 bei HarperCollins, übersetzt von Heike Schlatterer, ISBN: 978-3-7499-0236-1

Sprache und Sein – Kübra Gümüsay*

Sprache ist Macht. Denn wer nicht sprechen kann, sich nicht wirklich in eine Diskussion einbringen kann, wird nicht gehört. Wie wichtig Sprache jedoch ist, wird oft und gern unterschätzt. Als ich die neue Taschenbuchausgabe von Kübra Gümüşays “Sprache und Sein” in den Händen hielt, habe ich damit gerechnet, vor allem mit neuen Eindrücken zu diesem Thema konfrontiert zu werden. Bekommen habe ich sehr viel mehr als das. Zu diesem Buch habe ich daher eine ausführlichere Rezension geschrieben.

Klappentext von “Sprache und Sein”

“Dieses Buch folgt einer Sehnsucht: nach einer Sprache, die Menschen nicht auf Kategorien reduziert. Nach einem Sprechen, das sie in ihrem Facettenreichtum existieren lässt. Nach wirklich gemeinschaftlichem Denken in einer sich polarisierenden Welt. Kübra Gümüsay setzt sich seit langem für Gleichberechtigung und Diskurse auf Augenhöhe ein. In ihrem ersten Buch geht sie der Frage nach, wie Sprache unser Denken prägt und unsere Politik bestimmt. Sie zeigt, wie Menschen als Individuen unsichtbar werden, wenn sie immer als Teil einer Gruppe gesehen werden – und sich nur als solche äußern dürfen. Doch wie können Menschen wirklich als Menschen sprechen? Und wie können wir alle – in einer Zeit der immer härteren, hasserfüllten Diskurse – anders miteinander kommunizieren?” (Quelle)

Erschienen am 11. Oktober 2021 bei btb, ISBN: 978-3-442-77125-7

Warum ich Feministin bin – Chimamanda Ngozi Adichie

Eigentlich habe ich dieses Buch schon einmal auf eine Liste gesetzt. Bereits in der ersten Ausgabe meiner Leseliste findet ihr die Fischer-Taschenbuchausgabe des Buches. Im Sauerländer-Bereich des Verlagshauses ist kürzlich jedoch diese extra für Kinder aufbereitete und liebevoll illustrierte Ausgabe erschienen, daher muss es noch einmal auf die Liste. Die Hamburger Illustratorin Nursima Nas, selbst Mitbegründerin des rassismus- und machtkritischen Vereins MOSAIQ, hat hier sowohl Originalelemente der englischen Veröffentlichung, wie das ikonische Muster, eingebaut, als auch darüber hinaus ein echtes Kunstwerk geschaffen. Übersetzt wurde die Ausgabe von Alexandra Ernst und ist eine absolute Herzensempfehlung für alle, die gerade Kindern die Relevanz von Feminismus näher bringen wollen.

Klappentext von “Warum ich Feministin bin”

“Chimamanda Ngozi Adichie ist nicht nur eine großartige Schriftstellerin und ein Vorbild für eine ganze Generation, sie hat sich auch zu einer Verfechterin für den Feminismus entwickelt und zu einer Fürsprecherin für Gleichberechtigung und Menschenrechte auf der ganzen Welt. 

In diesem Buch erzählt sie jungen Menschen von Erlebnissen aus ihrer eigenen Kindheit und Jugend in Nigeria und später in den USA. Sie zeigt, wie Mädchen und Jungen sich an Rollenerwartungen anpassen, und wie sie lernen können, diese zu brechen. Sie nimmt uns mit in ihre Welt und berichtet, wie sie trotz allem zu der selbstbewussten Frau wurde, die sie heute ist. Dieses beeindruckende Buch macht Mädchen und Jungen, Frauen und Männern Mut, ihren eigenen Weg zu gehen.” (Quelle)

Erschienen am 23. Februar 2022 bei Fischer Sauerländer, ISBN: 978-3-7373-5899-6

Was weiße Menschen jetzt tun können – Emma Dabiri*

Auf den ersten Blick ist Emma Dabiris “Was weiße Menschen jetzt tun können” schonmal ein echter Hingucker. Angelehnt an das Originalcover, wirkt es auf den ersten Blick so, als wäre das Motiv draufgestickt worden – ich würde lügen, würde ich sagen, dass mich das nicht ungeheuerlich anspricht. Auch die Autorin ist indes keine Unbekannte: 2019 landete sie mit ihrem Debüt Don’t Touch My Hair landete auf der Shortlist für den Irish Book Award. Und auch diesmal steigt sie steil ein, kritisiert mit sehr interessanten Argumenten den Begriff “Allyship” und fordert statt des verbreiteten Narrativs “Guck mal, wir netten weißen Leute helfen helfen in unserer Gutherzigkeit jetzt mal den Opfern von Rassismus” echte Koalition. Es geht darum, damit aufzuhören, weiße Privilegien zu leugnen. Es geht um die Rolle des Kapitalismus in Bezug auf rassistische Strukturen – und um vieles mehr.

Ein Ratgeber für Vorgeschrittene

“Was weiße Menschen jetzt tun können” ist dabei aus meiner Sicht alles andere als ein Buch für Einsteiger*innen. Es setzt bereits viel Wissen voraus und ist weder schonend noch zimperlich. Das braucht es bei dem Thema zweifelsfrei, aber es braucht auch die Bereitschaft der (weißen) Lesenden, sich darauf einzulassen – und wer sich bisher wenig mit der Rolle von Race auseinandergesetzt hat, könnte sich schnell überfahren fühlen von der Verantwortung, die dieses Buch verdeutlicht.

Klappentext von “Was weiße Menschen jetzt tun können”

“In ihrem so radikalen wie praktischen Essay fordert Emma Dabiri die nächsten notwenigen Schritte, die wir alle gemeinsam gehen müssen, um dauerhafte Veränderungen für eine gerechte Gesellschaft zu schaffen:

  • Wir müssen anders über rassistische Ungerechtigkeit sprechen.
  • Wir müssen die rassistischen Kategorien »Weiß« und »Schwarz« als ausbeuterisches Konstrukt des Kapitalismus erkennen und bezwingen.
  • Wir müssen uns gänzlich von repressiven rassistischen und klassistischen Denksystemen lösen.
  • Wir müssen für gemeinsame Ziele, für alle Menschen einstehen.” (Quelle)

Erschienen am 24. Februar 2022 bei Ullstein (übersetzt von Marion Kraft), ISBN: 978-3-5480-6660-8

Die Mutter aller Fragen – Rebecca Solnit

Jedes Mal, wenn ich ein Buch von Rebecca Solnit in den Händen halte, bin ich aufs Neue überrascht, wie klug diese Frau ist. Mit wieviel Witz ihr auch komplexe Zusammenhängen von der Hand zu gehen scheinen. Bei diesem Buch war es nicht anders. Es geht zum Einen auf scheinbar banaler Ebene um jene Frage, die Frauen eh viel zu oft in der ein oder anderen Abwandlung hören. Aber dahinter steht noch viel viel mehr. Es geht um die fast schon kreativen Ideen, die Proteste durch oder für Frauen verhindern sollen, und wie die Öffentlichkeit instrumentalisiert wird, um z. B. bestimmte Narrative zu bedienen (verhält sich die Frau auch bitte wirklich wie ein Opfer nach Lehrbuch?).

Wie aktuell das ist, zeigen auch Fälle wie der von Ines Anioli und der bereits ewig andauernde Prozess zwischen Amber Heard und Johnny Depp. Aber Rebecca Solnit hat weitere Zahlen und Fakten, die erschüttern, Scheinargumente offen legen und zeigen, wie viel Systematik in der Beeinflussung der öffentlichen Diskussion steckt. Sie bricht jedoch nicht nur das Schweigen bzgl. (sexualisierter) Gewalt in Beziehungen, dieses Buch ist eine Wohltat und es sollte noch viel mehr darüber gesprochen werden.

Klappentext von “Die Mutter aller Fragen”

“Diese »Mutter aller Fragen« wird Rebecca Solnit hartnäckig von Journalisten gestellt, die sich mehr für ihren Bauch als für ihre Bücher interessieren. Warum gilt Mutterschaft noch immer als Schlüssel zur weiblichen Identität? Diese und Themen, die Frauen wichtig sind, greift Rebecca Solnit in ihren Essays auf. Nach »Wenn Männer mir die Welt erklären«, das weltweit für Furore sorgte, gibt sie gewohnt scharfsinnig und humorvoll kluge Anregungen, wendet sich gegen jegliches Schubladendenken und tritt für eine freiere Welt ein.” (Quelle)

Erschienen am 9. Dezember 2019 bei btb (übersetzt von Kirsten Riesselmann), ISBN: 978-3-442-71792-7

Wir können mehr sein – Aminata Touré

Wenn mir vor 2-3 Jahren mal jemand erzählt hätte, das ich irgendwann die Quasi-Biografie eine*r Politiker*in lesen und dabei gefühlt alle Emotionen einmal durchleben würde – ich hätte es vermutlich nicht geglaubt. Ich weiß, wie weichgepinselte PR funktioniert und brauche das nicht als Buch, wäre wohl meine Reaktion gewesen. Aminata Touré hingegen folge ich schon länger auf Instagram, sie ist eine interessante und kluge Politikerin, hat eine starke Meinung und ihr Auftreten fasziniert mich. Daher wollte ich natürlich ihr Buch lesen, als es erschien. Weniger also das Buch einer Politikerin, als das von Aminata Touré. Der Person. Und natürlich lässt sich das nicht trennen, denn vieles ihrer Erfahrung, der Entwicklungen in ihrem Leben, zahlen auf ihre beruflichen Entscheidungen ein. Aber ich glaube, das ist auch Teil des Charmes, denn nie zuvor hatte ich so dringlich das Gefühl, dass Politik wirklich etwas verändern kann.

So könnte es sein. So könnte Politik für alle gehen

“Wir können mehr sein” tut weh. Du denkst, Du bist Dir deiner weißen Privilegien bewusst, aber erlebst hier immer und immer wieder, dass dem nicht vollumfänglich so ist. Weil viele Konsequenzen oft nicht sichtbar sind für diejenigen, sie nicht selbst durchlaufen. Aminata Touré macht sie sichtbar. Das Buch ist aber auch klug und witzig – mitunter fühlt es sich an, als wäre die Autorin zum Tee vorbei gekommen und man würde gemeinsam plaudern. Mit anderen Worten: Es ist ein wundervolles Buch, um über Feminismus nachzudenken, um über institutionellen Rassismus zu sprechen – und um zu sehen, was Politik bedeuten kann.

Klappentext von “Wir können mehr sein”

“Aminata Tourés Eltern flohen 1992, kurz vor ihrer Geburt, aus Mali. Im selben Jahr, während sie mit ihrer Familie in einer Flüchtlingsunterkunft lebte, brannten in Deutschland eben solche Häuser. Und das nicht zum letzten Mal. Ihr Buch handelt vom Aufwachsen als Schwarze Frau in einer Gesellschaft, die immer noch Mühe hat, ihren eigenen Rassismus zu erkennen, aber auch vom Weg in die Politik, von Erfolgen und vom Scheitern – nicht, um zu sagen, dass es schwer oder einfach war, sondern, um zu sagen, was in diesem Land anders werden muss. Politik kann mehr sein als Machterhalt und die Verwaltung der Zustände. Ein Aufruf an junge und diverse Menschen, in die Institutionen zu gehen, um die Politik und unser Zusammenleben zu verändern.” (Quelle)

Erschienen am 19. August 2021 bei KiWi Taschenbuch, ISBN: 978-3-4620-0061-0

Against White Feminism – Rafa Zakaria

“Wie ‘weißer’ Feminismus Gleichberechtigung verhindert” lautet der Untertitel von Rafa Zakarias Buch. Die Autorin, Anwältin und Aktivistin setzt sich weltweit für Menschenrechte ein und sie beschreibt in ihrem Buch vor allem eines: Wie sehr es dem Feminismus schadet, dass sein Sprachrohr vor allem weiße, bürgerliche Frauen aus westlichen Nationen sind. Dabei schreibt Rafa Zakaria spannend und provokant, die deutschsprachige Übersetzung von Simoné Goldschmidt-Lechner für die Hanser Literaturverlage (erschienen am 14. März 2022) trägt ebenfalls dazu bei, dieses Buch nicht aus der Hand legen zu wollen.

Ein Plädoyer für mehr intersektionalen Feminismus

Es ist eine Aufforderung an all diejenigen, für die es bei Feminismus nur für die vergleichsweise wohlsituierte, weiße Frau reicht. Diese Rücksichtslosigkeit schadet jedoch mehrfachdiskriminierten Frauen*gruppen sehr. (Und ja natürlich kann ich auch als weiße Frau Mehrfachdiskriminierung erfahren, etwa durch meine soziale Herkunft. Aber. das. ist. nicht. das. Gleiche.) Rafa Zakaria, selbst muslimische Woman of Color aus Pakistan, schreibt über all diese Aspekte, die im vorherrschenden weißen Feminismus oft keinen Platz finden – und die damit (unwissentlich) dem Patriarchat eher in die Karten spielen, als gegen Unterdrückung zu kämpfen. Im Gespräch mit Hanserblau, sagt die Autorin, dass “viele weiße Frauen (…) ihre eigene Mitschuld an unterdrückerischen, patriarchalen und kapitalistischen Strukturen noch nicht erkannt (haben).” Wie sie ihre Handlungen und Überzeugungen hinterfragen können, das will das Buch aufzeigen und lädt dabei trotz provokanter Thesen offen zum Dialog ein.

Klappentext von “Against White Feminism”

“Seit Beginn der Frauenbewegung gibt eine bestimmte Art Frauen den Ton an: bürgerliche Frauen aus westlichen Nationen, die vor allem eins sind – ‘weiß’. Doch während sie in Vorstandspositionen aufsteigen, bleibt politische Unterstützung für alle anderen Frauen aus.
Rafia Zakarias brillante Polemik enthüllt das rassistische Erbe der Frauenbewegung. Sie zeigt, wie der Wunsch nach Gleichberechtigung auf Vorurteilen und Ausbeutung fußt und wie ein gemeinschaftlicher Kampf für politische Teilhabe aussehen kann.” (Quelle)

256 Seiten, erschienen bei hanserblau (März 2022), ISBN:  978-3-4462-7323-8

Wir sind doch alle längst gleichberechtigt! – Alexandra Zykunov*

Alexandra Zykunov folge ich schon länger auf Instagram und habe ihrem Buch daher sehr entgegengefiebert. Unter “Meanwhilein2022” teilt sie regelmäßig Content, a la “Toll, wie Dir Dein Mann zuhause hilft” geht. Die 25 schlimmsten Bullshitsätze finden sich jetzt mitsamt Auflösung und guter Gegenargumente für die nächste Familien-Grillfeier, gemütliche Runde mit Freund*innen etc. in diesem Buch. Es geht dabei zwar vor allem auch um familiäre Konstrukte, also unbezahlte Care-Arbeit von Müttern. Es ist jedoch nicht darauf “beschränkt” bzw. macht hier nochmal deutlich, in wie viele Ecken sich all diese angeblichen Selbstverständlichkeiten ziehen. Alexandra Zykunov schreibt lebensnah und echt, ihr bissiger Humor rettet auf der ein oder anderen Seite vor einem spontanen Bluthochdruck.

“25 Bullshitsätze und wie wir sie endlich zerlegen”

Ein guter Maßstab für ein gelungenes feministisches Buch sind ja auch immer die Rezensionen auf einschlägigen Bücherplattformen. Wenn sich dort nicht mindestens ein beleidigter Mann wiederfindet, ist etwas schief gelaufen. Ganz wichtig: Darauf achten, wie wunderbar verkehrt die Logik dabei oft läuft, wenn von einer “radikalen Minderheit” gesprochen wird, die andere Frauen “bevormunden” möchte. Dabei sind es gerade Bücher wie dieses, die zeigen, wichtig es ist, dass wir alle uns der Bevormundung durch die Gesellschaft bewusst werden. Damit aus dieser “radikalen Mehrheit” die Normalität werden kann. Also: Wann kommt Teil zwei?

Klappentext von “Wir sind doch alle längst gleichberechtigt”

“Bullshitsätze wie »Viele Frauen wollen doch gar keine Karriere machen.« oder »Vermisst du dein Kind nicht, wenn du alleine wegfährst?« bekommen wir wohlwollend von unseren Freundinnen zu hören oder werden uns von engsten Familienmitgliedern heimtückisch ins Ohr geflüstert, bis wir ihnen glauben – und das Patriarchat sich freudestrahlend die Hände reibt. Dieses Buch ist die ultimative Anleitung zum Parieren solcher Sätze. Messerscharf analysiert Alexandra Zykunov die Ungerechtigkeiten, Unwahrheiten und Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern und liefert Argumente und Punchlines für die nächste Familienfeier, Spielplatzrunde oder Beziehungsdiskussion.” (Quelle)

288 Seiten, erschienen bei Ullstein Taschenbuch (Februar 2022), ISBN:  978-3-5480-6533-5

* Die Rezensionsexemplare von “Wir sind doch alle längst gleichberechtigt” und “Was weiße Menschen jetzt tun können” wurden mir freundlicherweise vom Ullstein Verlag, die Rezensionsexemplare von “Schwierige Frauen” und “Sprache und Sein” von der Verlagsgruppe Pinguin Randomhouse kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung jedoch nicht beeinflusst.

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