10 feministische Bücher, die du kennen solltest – Teil 1

Des öfteren werde ich gefragt, welche Bücher sich den zum Einstieg eignet, wenn sich jemand mit dem Thema Feminismus auseinander setzen möchte. Meistens zähle ich dann einige meiner persönlichen Favoriten auf. Doch es gibt so viele großartige Bücher zu diesem Thema und es werden stetig mehr. Sie alle haben eines gemeinsam: Sie zeigen, wie großartig es sein könnte, wenn alle Menschen endlich gleichberechtigt wären.

Diesen Artikel will ich schon lange schreiben. Und nun stehe ich vor der Herausforderung, mich (erstmal) auf zehn Bücher zu beschränken. Mit anderen Worten: Es wird definitiv noch einen zweiten Teil dieser Liste geben – und vermutlich noch weitere.

Dieser erste Artikel soll einige Werke zusammenfassen, die ich wärmstens sowohl denen empfehle, die sich wirklich erst mit dem Thema auseinander setzen wollen, aber auch denen, die das längst tun und ihre eigene Lektüre-Liste erweitern wollen. In einem zweiten Beitrag wird es weitere Bücher geben, die sich noch stärker mit einzelnen Aspekten beschäftigen.

The future is female!: Was Frauen über Feminismus denken – Scarlett Curtis*

Ein wunderbares Buch für den Einstieg in Die Welt des Feminismus ist “The future is female!: Was Frauen über Feminismus denken”. Herausgegeben von Scarlett Curtis, sammelt das Buch die Eindrücke unterschiedlichster Frauen, darunter auch Women of Color. Neben Essays von Emma Watson, Saoirse Ronan, Jameela Jamil und Lolly Adefope, sind in der deutschen Version auch ein Text von Tijen Onaran und Fränzi Kühne abgedruckt.

Ein bisschen schade ist der abgeänderte Titel im Deutschen, denn das Original: “Feminists Don’t Wear Pink (and other lies): Amazing women on what the F-word means to them” ist so viel aussagekräftiger. Dennoch ist das Buch aufgrund seiner Vielfalt eine absolute Empfehlung und bietet einen schnellen und breit gefächerten Einstieg in den Feminismus. (Erschienen am 8. Oktober 2018 im Goldman Verlag, ISBN: 978-3-442-15982-6)

Yalla, Feminismus! – Reyhan Şahi (Lady Bitch Ray)

Viele feministische Bücher werden von weißen Cis-Frauen geschrieben, die wenigsten haben einen Migrationshintergrund. Doch Feminismus soll und will auf mehreren Ebenen eine Gleichstellung aller Menschen, weshalb es so wichtig ist, zu diesem Thema auch ganz dezidiert Stimmen von Feminist:innen zu hören, die Intersektionalität erfahren, also Diskriminierung auf mehr als eine Art. Die promovierte Linguistin und Rapperin türkisch-muslimischer Abstammung Reyhan Şahi (Lady Bitch Ray) will dieser Sicht mit ihrem Buch mehr Gewicht verleihen, die starke Eindimensionalität des feministischen Diskurses aufbrechen. In “Yalla, Feminismus” macht sie muslimisch sozialisierte Frauen, Schwarze Frauen, trans und queere Personen sichtbar. (Erschienen bei Klett-Cotta, ISBN: 978-3-608-50427-9)

Ruth Bader Ginsburg (300 Statements der berühmten Supreme-Court-Richterin – Helena Hunt*

Ruth Bader Ginsburg ist eine Ikone. Als Richterin am US-amerikanischen Supreme Courts wurde sie geehrt und gleichermaßen gefürchtet. Viele ihrer Aussagen sind legendär, ihren Beinamen Notorious RBG trug sie ebenfalls nicht einfach so. Am 18. September 2020 starb die Juristin an Krebs. Etwa zeitgleich veröffentlichte der btb Verlag die deutsche Übersetzung (von Stefanie Retterbush) des 2018 erschienenen Buches “Ruth Bader Ginsburg – In her Own Words”. Darin sind 300 ihrer bekanntesten Statements und Aussagen aufbereitet, sortiert in drei Teilen. Viele dieser Statements sind Grund für ihre Bekanntheit weit über die Grenzen der USA hinweg und spiegeln ihre liberale Einstellung, mit der sie oft ihrer eigenen Zeit weit voraus war.

Das Buch ist wunderbar geeignet für diejenigen, die nach kurzen prägnanten Aussagen suchen, um sich des Themas anzunehmen. Und natürlich für all diejenigen, die sich an diese großartige Frau erinnern wollen. (Erschienen im btb Verlag am 14. September 2020), ISBN: 978-3-442-77081-6)

We should all be feminists – Chimamanda Ngozi Adichie

Die nigerianische Schriftstellerin Chimamanda Ngozi Adichie ist eine der bekanntesten Feministinnen. Ihr TED-Talk, den sie 2012 hielt, wurde nicht nur von Beyoncé im Song “Flawless” zitiert, längst gibt es den Talk auch überarbeitet und gedruckt als Buch. In “We should all be feminists” schreibt sie verständlich und einfühlsam über kulturelle Identität, über Rollenerwartungen, Sexualität und Scham. Das 48-Seiten lange Essay ist ein wunderbarer Startpunkt in den Feminismus: kurz und on point wird mit Geschlechterrollen Schluss gemacht.

(In deutscher Sprache als Sammelband mit vier weiteren Geschichten unter dem Titel “Mehr Feminismus!: “Ein Manifest und vier Stories” bei Fischer erschienen. ISBN: 978-3-596-03676-9)

Ein Zimmer für sich allein – Virginia Woolf

Virginia Woolf ist natürlich nicht nur, aber auch für dieses Essay eine der meistzitierten Personen des Feminismus. In ihrer Geschichte, in der die Lesenden anhand der fiktiven Schwester William Shakespeares die gesellschaftlichen Unterschiede zwischen den Geschlechtern lernen, vereint sie vereint Feminismus, Literaturgeschichte und Poetik. Das Buch wurde nicht nur in den 70ern neu entdeckt, sondern auch seitdem vielfach neu verlegt, zuletzt 2019 vom Kampa Verlag in einer Übersetzung Antje Rávik Strubel. (ISBN: 978-3-311-22003-9)

Wenn Männer mir die Welt erklären – Rebecca Solnit*

Jede Frau kennt Gespräche, in denen ihr ungefragt etwas erklärt wird, das sie bereits weiß – einfach weil ihr Gegenüber davon ausgeht, sie könne dieses Wissen gar nicht haben. Unnötig allemal und dann auch noch peinlich, wenn sich herausstellt, dass die Gesprächspartnerin eine wahre Koryphäe auf eben jenem Gebiet ist. Mit solchen Anekdoten würzt Rebecca Solnit ihr kluges Essay, in dem sie die Mechanismen von Sexismus untersucht. Das Buch liest sich leicht – dank der wunderbaren Übersetzung von Kathrin Razum und Bettina Münch – und ist eine praxisnahe Einstiegsliteratur in den Themenkomplex der Gleichberechtigung. (Erschienen im btb Verlag am 9. Januar 2017), ISBN: 978-3-442-71439-1)

Freundinnen – Marilyn Yalom und Theresa Donovan Brown*

Informativ und unterhaltsam schreiben Marilyn Yalom und Theresa Donovan Brown über die Entwicklung von Freundschaften zwischen Frauen von der Bibel und den Römern bis zur Aufklärung, von der Frauenbewegung der 60er- Jahre bis zu Sex and the City. Dabei zeigen sie auf, wie sehr sich das Verständnis von Freundschaft zwischen verpönt und unbekannt im Laufe der Zeit verändert hat. Immer wieder werden Frauen in der Geschichte vor allem als Rivalinnen dargestellt, ihre Freundschaft galt als minderwertiger als die zwischen Männern. Dieses Buch zeigt auf, wie Frauen sich schon immer unterstützt und gegenseitig empowert haben. (Erschienen in einer Übersetzung von Liselotte Prugger im btb Verlag am 14. Januar 2019), ISBN: 978-3-442-71761-3)

Untenrum frei – Margarete Stokowski

Inzwischen ist es eigentlich ein Standardwerk zeitgenössischen Feminismus: 2018 erschien mit “Untenrum frei” das erste Buch der Autorin und Kolumnistin Margarete Stokowski. Darin schreibt sie über die eigene Erfahrung des Aufwachsens als Mädchen in Deutschland – inkl. Belästigungen auf dem Nachhauseweg und den ewig währenden Mantra von Mädchen- und Frauenzeitschriften. Das alles kombiniert sie klug mit Fakten und hinterfragt schonungslos unsere wie selbstverständlich hingenommenen Strukturen. (Erschienen bei Rowohlt, ISBN: 978-3-499-63186-3) 

Schwarzer Feminismus – Natasha A. Kelly

Die Texte dieses von Natasha A. Kelly herausgegebenen Sammelbandes sind zwar alle bereits in den 70er bis 90er Jahren des letzten Jahrhunderts erschienen, sind aber dennoch topaktuell. Sie vereint zudem die Tatsache, dass der Begriff der Intersektionalität er st 1989 (von Kimberlé Crenshaw) geprägt wurde. Die Autorinnen dieser Texte schreiben daher über Mehrfachdiskriminierung, ohne das diese zu diesem Zeitpunkt bereits diskutiert wurde – was dem Blickwinkel auf Schwarze feministische Debatten dieser Zeit einen weiteren Twist gibt. In den ausgewählten Texten kommen unter anderem Sojourner Truth, Angela Davis, The Combahee River Collective, bell hooks, Audre Lorde, Barbara Smith, Kimberlé Crenshaw und Patricia Hill Collins zu Wort. (Erschienen im Unrast Verlag im März 2019. ISBN: 978-3-89771-317-8)

Der Frauenatlas: Ungleichheit verstehen: 164 Infografiken und Karten – Joni Seager

In 164 übersichtlichen Infografiken und basierend auf den wichtigsten Fakten und Studien weltweit zeigt “Der Frauenatlas” auf, wie es in punkto Gleichberechtigung auf der Welt aussieht. Das Buch zeigt dadurch sehr übersichtlich, wo und wie Frauen benachteiligt sind – und seit wann dieser Status quo bereits besteht.(Erschienen im Oktober 2020 bei Carl Hanser. ISBN: 978-3-446-26829-6)

* Die Rezensionsexemplare von “Ruth Bader Ginsburg”, “Freundinnen”, “Wenn Männer mir Die Welt erklären” und “The Future is Female” wurden mir freundlicherweise von der Verlagsgruppe Randomhouse kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung jedoch nicht beeinflusst.

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