Deadlines, Feminismus und Social Media – im Gespräch mit Kim Leopold

Zwei Social-Media-Stars, die unterschiedlicher nicht sein könnten und bei denen dennoch (oder genau deswegen) ein heftiger Funke überspringt. Ausflüge in die Teile einer schillernden Stadt, vor denen sonst alle die Augen verschließen. Und zwei Firefighter, die nicht nur jeden Tag aufs Neue ihre Stadt retten, sondern dabei auch versuchen, ein längst überholtes System zu verbessern. Mit ihrer “California Dreams”-Reihe hat die Autorin Kim Leopold vor der Kulisse Los Angeles’ drei wundervoll tiefgängige New-Adult-Romane geschrieben. Was Deadlines, Feminismus, Agenturbewerbungen und ihre Lektorin Tatjana Weichel damit zu tun hatten, hat sie mir im Gespräch verraten. 

Obwohl ich bereits im letzten Jahr die Hörbücher ihrer “Black Heart”-Geschichte aufgesogen habe, lag die Leseempfehlung von mehreren Freundinnen zu ihrer neuen Reihe etwas länger auf meinem “Schaue ich mir dringend mal an”-Stapel. Immerhin konnte ich so jedoch gleich alle drei Romane auf einmal lesen und mich nach Kalifornien in die Welt der Moretti-Familie träumen. Und das habe ich dann auch – ähnlich wie Missi, Larissa und Alina haben mich die Bücher einfach total begeistert. Beeindruckt hat mich dabei, wie ich in jeder Figur einen Teil von mir wiederentdeckt habe. Die DIY-verliebte Holly, der minimalistische Pax, Allegra und Maverick mit ihrem unendlichen Mitgefühl und dem Drang, helfen zu wollen, die feministische Quinn und Micah mit seinem unstillbaren Beschützerinstinkt.

Die Reise nach Kalifornien, in die Wüste und in unentdeckte Ecken einer berühmten Stadt

Die Idee zur Reihe kam der Autorin übrigens, als sie sich bei Literaturagenturen bewerben wollte. Es sollte um Social Media gehen und für den ersten Teil sind es dann die Themen Minimalismus, DIY und Van-Life geworden. “Inspiriert sind Holly und Pax übrigens von den Youtubern LaurDIY und Matt d’Avella”, so die Autorin zu den Protagonist*innen des ersten Buches. Dazu verrät sie aber auch, wer ihr Liebling der Reihe ist: “Mein ganz persönlicher Liebling der Reihe ist Pax‘ jüngerer Bruder Micah, der im dritten Buch zur Hauptfigur werden darf.” 

Während sich jedes Buch auf ganz eigene Art mit dem Thema Social Media auseinandersetzt, geht es dabei zwar auch um Selbstdarstellung, aber vor allem um immer mehr Aktivismus, da die Figuren ihre Kanäle und deren Reichweite nutzen, um die Welt zu verändern. “Mir war wichtig, dass alle drei Bücher moderne und wichtige Themen unserer Zeit behandeln und das eben vor dem Hintergrund Soziale Medien. Dass dabei der Aktivismus-Teil von Band zu Band aber stärker wurde, war eine eher natürliche Entwicklung”, sagt die Autorin dazu.

Kim Leopolds “Geheimzutat” des Schreibens

Kim Leopold bewegt sich erfolgreich in mehreren Genres. Ihre grundsätzliche Einstellung ist bei der Herangehensweise sowohl für Fantasy als auch Romance dabei sehr gleich – wenn nicht sogar identisch. “Ich will glaubhafte Figuren mit Ängsten und Vorlieben, ich will mich verlieben, will das Gefühl haben, dass ich da Geschichten über echte Menschen lese. Und ich will, dass diese Menschen die Handlung bestimmen und nicht von ihr bestimmt werden”, erzählt sie und fügt hinzu: “Das erwarte ich von anderen Autor*innen und das ist auch der Maßstab, mit dem ich meine Bücher schreibe – egal, in welchem Genre.” 

Bei den bisherigen Büchern, die ich vor ihr gelesen und gehört habe, ist ihr das zweifelsfrei gelungen. Sie schreibt junge Charaktere, die glaubhafte Fehler haben. Charaktere, die manchmal ganz verständlicherweise auf dem Schlauch stehen oder nicht aus ihrer Haut können. Und auch diesen Kampf bringt Kim Leopold so authentisch zu Papier, dass es eigentlich wehtun müsste. Dafür macht das Lesen ihrer Bücher aber auch definitiv zu viel Spaß, sodass hier ein Wechselbad der Gefühle entsteht, das bei mir dafür gesorgt hat, dass ich die Bücher am liebsten gleich nochmal gelesen hätte.

Sensible Sprache und ein paar Buchtipps

In ihren Romanen begeistert mich Kim Leopold vor allem auch durch ihre sorgfältige Wortwahl. Darauf angesprochen verrät die Autorin: “Am meisten beeinflusst hat mich wohl die Zusammenarbeit mit meiner Lektorin Tatjana Weichel, die die meisten meiner Bücher begleitet hat. Durch sie habe ich viel über Feminismus und sensible Sprache, aber auch über Figurenentwicklung und Plots gelernt.”

Feminismus ist ein Thema, das ich mir über sehr lange Zeit angeeignet habe.

Kim Leopold

Wie wichtig dabei der Umgang mit und das Bewusstsein für Privilegien ist, spricht sie ebenfalls an und rät, vor allem Bücher von marginalisierten Menschen zu lesen: “Das erweitert den Horizont und mensch stärkt automatisch die Stimmen, die in unserer Gesellschaft immer noch zu wenig Gehör finden.” Passend dazu empfiehlt sie die beiden Bücher „Hood Feminism“ von Mikki Kendall und „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten“ von Alice Hasters – weitere Bücher, die sich neben Feminismus auch mit kritischem Weißsein auseinandersetzen, findet ihr übrigens auf meinen Buchlisten für Feminismus Teil 1, Feminismus Teil 2 und Feminismus Teil 3.

Writing Dreams – ein Podcast für (angehende) Autor*innen

Als wäre sie nicht bereits beschäftigt genug mit dem Schreiben von Büchern, hat sie noch einen Onlineshop, in dem sie handgemachte und handdesignte Kollektionen nebst ihren signierten SP-Büchern verkauft. Auch einen Podcast gibt es aus dem Hause Kim Leopold: den Writing Dreams Podcast. Darin erzählt sie, mal allein, mal mit Gästen, wie Autor*innen auf dem Buchmarkt Fuß fassen können. Dabei geht es natürlich ums Schreiben, aber auch ums Vermarkten von Büchern. Wie sie alles unter einen Hut bekommt? Die Autorin verrät es lachend, denn leider hat sie keine Wunderwaffe entdeckt, sonder hält sich strikt an vereinbarte Deadlines bzw. setzt sich selbst welche, auf die sie dann entsprechend hinarbeiten kann: “Ohne Deadlines geht’s bei mir gar nicht voran. Idealerweise verlassen sich andere Menschen drauf, dass ich meine Arbeit mache – und selbst dann überziehe ich meine Termine oft trotzdem gnadenlos.”

Wie sagt mensch so schön: Nur unter Druck entstehen Diamanten.

Kim Leopold

Und apropos beschäftigt: Eine Frage, die sich viele Fans der California-Dreams-Reihe stellen ist: Was passiert mit Ben? Micahs oft in die Probleme der Moretti-Familie involvierter bester Freund und Mitbewohner ist selbst in den drei Teilen der Reihe unglücklich verliebt. Doch ein Happy End ist leider nicht geplant, wie die Autorin erzählt: “Ich würde ihm gerne ein Happy End schreiben, aber er gehört leider nicht zur Moretti-Familie.” Ach wie schade! Aber immerhin ein Hintertürchen bleibt: “Wenn ihr unbedingt ein Buch über ihn lesen möchtet, müsst ihr den Verlag fragen oder eine Petition ins Leben rufen”, fügt die Autorin an.

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© des Autorinnenfoto von Kim Leopold liegt bei Kim Leopold.

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