Das 50er-Jahre-Mindset romantischer Literatur – und 5 Beweise, dass es besser geht

Okay, mit der Überschrift habe ich es mir etwas leicht gemacht. Vielleicht etwas zu leicht. Doch Fakt ist leider, dass auch heute noch viele romantische Romane Charakterzüge und Abhängigkeiten idealisieren, die für mich nichts in aufgeklärter Literatur zu suchen haben. Oft handelt es sich dabei vor allem um heteronormative Romane – wenig überraschend, sind solche Muster in queerer Literatur eher seltener. Den morgigen Valentinstag im Hinterkopf, dachte ich mir daher, ich teile eine Liste meiner persönlichen Empfehlungen mit euch. Seid ihr bereit für fünf feministische New ADult Romane, in denen sich die Figuren auch wie welche aus dem 21. Jahrhundert verhalten?

Mein Problem mit romantischer Literatur

Ich liebe romantische Literatur. Ob nach einem miesen Date mit einem Typen, der wieder nur über sich geredet hat, zum Abkühlen nach einen spektakulärem Finale eines Fantasy-Buches oder einfach so, weil ich Lust darauf habe. Dass ich dabei mit über dreißig noch eher New ADult statt Romane mit Figuren “in meinem Alter” lese, hat zum Großteil auch damit zu tun, dass sich das Genre erst langsam in eine bessere Richtung bewegt, was alte Beziehungsmuster etc. angeht.

Ob unhinterfragte toxische Männlichkeit, Bodyshaming, das klassische “Er weiß alles und muss ihr erstmal die Welt erklären” oder, mein ganz persönlicher Anti-Favorit: “Die Karrierefrau, die erst merkt, wie unglücklich sie ist, als sie den überirdisch attraktiven Kleinstadt-Bauern trifft” – diese und mehr Killer sind noch immer an der Tagesordnung in vielen romantischen Romanen.

Tolle Geschichten – schlechte Vorbilder?

Don’t get me wrong: Das sind (abgesehen von Nr. 1 und 2) sicherlich tolle Geschichten und auch eine schöne Lebensrealität für die ein oder den anderen. Nur leider häuft sich das so oft, dass ich einfach nicht anders kann, als mich zu fragen: Was nehmen vor allem jüngere Leser*innen aus solchen Stories mit? Das ich als Frau nicht erfolgreich und glücklich sein kann? Dass ich mich früher oder später in meinen Chef zu verlieben habe, weil er so ein hinreißendes Alphatierchen ist? Dass ich für einen Mann immer auch ein Stück weit süß und hilflos sein muss, damit er sich auch als mein Held fühlen kann? Und dass ich bitte nicht mehr als diese eine Freundin haben sollte (ein schwuler Freund wäre hier auch okay), die dann völlig unhinterfragt ab der Buchmitte verschwunden ist, weil ich natürlich nur noch Zeit und Augen für diesen einen Menschen in meinem Leben habe?

Mich nervt das. Mich nervt das leider auch an Büchern, die ich an sich toll finde, weil eigentlich alles an ihnen stimmt, nur eben nicht das Machtgefälle oder die Beziehung zwischen den Charakteren. Und je nach Präsenz dieser in der Geschichte, überwiegen die anderen Vorteile und ich kann es zu einer Randnotiz in meiner Rezension machen – oder ich muss das Buch weglegen.

5 Bücher, die es besser machen

Die folgenden Bücher machen es besser. Und damit meine ich nicht, dass es partout keine toxischen Figuren oder so darin gibt. Sondern, dass dieses Verhalten eingeordnet wird. Dinge einfach nicht zu nennen, entfernt sie nicht aus unseren gesellschaftlichen Strukturen. Stattdessen Alternativen zu zeigen und Rolemodels zu schaffen, hilft uns aber dabei, es künftig besser zu machen. Diese fünf feministischen New ADult Romane solltet ihr daher kennen:

1. Die Away-Reihe von Anabelle Stehl

In der Away-Reihe widmet sich Anabelle Stehl diversen feministischen Themen, darunter sexuelle Selbstbestimmung, gesellschaftlicher (und familiärer) Druck auf Frauen, Slutshaming und weitere. Ihre Protagonist*innen haben Fehler, an denen sie arbeiten müssen, ehe sie ihr Happy End bekommen, die “psychologische Care-Arbeit” liegt zu gleichen Teilen auf den weiblichen und männlichen Charakteren und die Autorin setzt sich sehr gewissenhaft mit den angesprochenen Themen auseinander. (Hier geht es zu meiner Rezension der Reihe.)

Die Bücher der Reihe sind zwischen dem 27.11.2020 und 30.07.2021 im LYX-Verlag erschienen. Zur Verlagsseite der Autorin.

2. Die Don’t-Reihe von Lena Kiefer

Schon mit ihrer Ophelia-Scale-Reihe hat Lena Kiefer einige Raster durchbrochen. So ist der Prinz des technikfreien Europas, einer der zentralen Charaktere der Reihe, wesentlich emotionaler und feinfühliger als die logikversierte Titelheldin (hier geht es zu meiner Rezension). Noch deutlicher wird das in ihrer New-ADult-Reihe um die Henderson-Dynastie. Sie lässt ihre Charaktere z. B. Fehler machen, die erst besprochen werden und alle daran wachsen lassen, ehe es zur Aussöhnung kommt (hier geht es zur Rezension der Don’t-Reihe).

Die Bücher der Reihe sind, auch bekannt als “Don’t Love Me”-Reihe, zwischen dem 12.10.2020 und 1.03.2021 im CBJ-Verlag erschienen. Zur Verlagsseite der Autorin.

3. Die What-if-Reihe von Sarah Sprinz

Besonders Band zwei der Trilogie von Sarah Sprinz ist hier zu nennen. Obwohl die Autorin alle ihre Charaktere herrlich gezeichnet hat, stechen Amber und Emmett hier hervor. Bei den beiden Architektur-Studierenden wird nämlich ein wesentlich oft genutztes Thema komplett kopfgestellt: Während Amber in ihrer Sexualität sehr selbstbewusst wirkt, ist ihr Loveinterest Emmett hier fast gänzlich unerfahren… Und ich liebe das Buch (bzw. die Autorin) dafür, dass sie das Thema so selbstverständlich und einfühlsam abhandelt.

Die Bücher der Reihe sind, auch bekannt als “University of British Columbia”-Reihe, zwischen dem 30.10.2020 und 25.06.2021 im LYX-Verlag erschienen. Zur Verlagsseite der Autorin.

4. Die Between-Us-Reihe von Nina Bilinszki

In ihrer Trilogie, die am New Yorker Community College “LaGuardia” innerhalb einer Clique junger Menschen spielt, greift Nina Bilinszki verschiedenste Themen auf. Nicht nur schreibt die Autorin über Themen wie Bodyshaming und Sexismus, sie zeigt mit einer spielenden Leichtigkeit, wie selbstverständlich die LGBTQ+Community in einem Roman Platz finden kann. (Zu den Rezensionen der Reihe auf himmelsblau.org)

Die Bücher der Reihe sind zwischen dem 01.09.2020 und 14.01.2022 bei Droemer Knaur erschienen. Zur Verlagsseite der Autorin.

5. Die Someone-Reihe von Laura Kneidl

Der Roman Someone New von Laura Kneidl sollte eigentlich ein Standalone werden. Eine Geschichte um das Erwachsenwerden in einer Welt, die sich Diversity, Equality und Inclusive auf die Fahne geschrieben hat. Zum Glück haben sich Autorin und Verlag dafür entschieden, letztlich eine Trilogie zu publizieren und die Folgebände Someone Else und Someone To Stay folgen lassen, um noch weitere Themen dieses Spektrums abdecken zu können. Daraus entstanden ist eine herrlich sensible Trilogie mit lose verknüpften Geschichten. (Zu meiner Rezension der Reihe.)

Die Bücher der Reihe sind zwischen dem 28.01.2019 und 16.10.2020 im LYX-Verlag erschienen. Zur Verlagsseite der Autorin.

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