Unlearn Patriarchy – Lisa Jaspers, Naomi Ryland & Silvie Horch

“Ich als Power-Frau hatte mich nicht vom Patriarchat lösen können, sondern mich im Gegenteil noch mehr darin verquickt und es letztlich sogar verstärkt.” – Das schreibt Naomi Ryland im Vorwort des von ihr, Lisa Jaspers und Silvie Horch herausgegebenen Buches “Unlearn Patriarchy”. Und wären es nicht Titel und Lineup des Buches bereits gewesen, hätten mich die Herausgeberinnen mit diesen Worten und den folgenden Worten gehabt. Denn wie sehr der eigene Wert, die eigenen Erfolge und unsere ganze Stellung mit diesem System zusammenhängen, das flüstert die Stimme des Patriarchats uns allen auf die unterschiedlichste Art ein. Zum Glück gibt es Möglichkeiten, dieses System, dass sich in alle Richtungen so festgesetzt hat und uns weißmachen will, dieser Status Quo wäre doch gar nicht so schlimm, einzustampfen. “Unlearn Patriarchy” ist ein Buch, das zeigen will, wie.

Ein Meet & Greet mit den Größen der Szene

Ich gebe zu, ich hätte auch nicht gewusst, mit welcher Art Cover ich ein Buch zu diesem Thema versehen hätte. Aber ein aufwändiges Cover ist auch nicht nötig, denn allein die Liste der Essayist*innen ist hier Kaufaufforderung genug. Kenza Ait Si Abbou, Madeleine Alizadeh, Ise Bosch, Teresa Bücker, Olaolu Fajembola, Laura Gehlhaar, Linus Giese, Kübra Gümüşay, Lisa Jaspers, Kristina Lunz, Lena Marbacher, Tebogo Nimindé-Dundadengar, Friederike Otto, Margret Rasfeld, Emilia Roig und Naomi Ryland. Jede*r für sich eine Ikone in diesem Bereich und sie alle zeigen in diesem Buch eines: Wie eng verzahnt Sprache, Arbeit, Wissenschaft, Familie & Identität, Rassismus, Bildung & Politik, Kapitalismus und Macht usw. sind – und wie sehr die herrschenden Mechanismen das Patriarchat stärken und uns durch diese Mehrfachbindungen daran hindern, einfach auszubrechen.

Kein Buch für einen Nachmittag

Die an sich überschaubaren Essays kommen mit einer fast schon überwältigenden Tiefe einher und oft habe ich beim Lesen nur einen Text am Tag geschafft. Denn diese Texte müssen erstmal sacken. Sie bieten Lösungen, aber sie tun das eben auch, weil sie den Finger in die Wunde legen. Wunden, die mir bereits bekannt waren, Wunden deren Ausmaß ich noch einmal neu begreifen musste und Wunden, deren Rolle in dem Konzept ich bislang nicht gesehen habe. Aber auch darum geht es in dem Sammelband: Sehen und begreifen, dass alles zusammenhängt, dass all diese Probleme und Diskriminierungen uns alle angehen. Dieses Buch schreit äußerst laut und flüstert gleichzeitig eindringlich: “Welche Rolle willst du in diesem System spielen?”

Klappentext von Unlearn Patriarchy*

“Patriarchale Verhaltensmuster und Glaubenssätze formen unser aller Leben. Doch wie können wir sprechen und lieben neu lernen, wie unsere Identität neu fassen, wie eine krank machende Arbeitswelt hinter uns lassen? Von »Familie« über »Macht« bis zu »Sex« und »Rassismus« – in 15 pointierten Beiträgen verraten feministische Autor*innen, wie auch sie das Patriarchat oft unbewusst in sich tragen, und helfen dabei, den Auswirkungen im Alltag zu entkommen.
Die hellsichtigen Essays eröffnen neue Horizonte und liefern optimistische und radikale Impulse für ein selbstbestimmtes, freies Leben.” (Quelle)

Kluge, radikale Impulse für die Freiheit

Die Impulse der Autor*innen sind fordernd, aber das müssen sie auch sein. Denn allein die niederschmetternden Zahlen, wie lange es zur Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann dauert, kennen wir alle. Und damit ist es längst nicht getan. Die Autor*innen fordern daher bewusst mehr, dann es braucht mehr, damit sichtbare und unsichtbare Barrieren verschwinden, Vorurteile und Voreingenommenheit verschwinden und alle Menschen auf gleiche Art und mit gleicher Selbstverständlichkeit leben und am Leben teilnehmen können. Dieses Buch macht Hoffnung darauf, dass uns das gelingen kann.

Durch die gewählte Form der Beiträge als Essays bieten sich diese übrigens auch besonders gut für die Bildungsarbeit an Oberstufen und Hochschulen an.

Titel: Unlearn Patriarchy*
Herausgeberinnen: Lisa Jaspers, Naomi Ryland & Silvie Horch
Formate: Hardcover und eBook
Erschienen am 1. September 2022 bei Ullstein
ISBN: 978-3-5502-0219-3
Kurzmeinung: Diese Texte müssen nach dem Lesen erstmal sacken. Sie bieten Lösungen, aber sie tun das eben auch, weil sie den Finger in die Wunde legen. Dieses Buch schreit äußerst laut und flüstert gleichzeitig eindringlich: “Welche Rolle willst du in diesem System spielen?” Eine Empfehlung für alle, die verstehen wollen, wie verworren der Status Quo in jedem Lebensbereich mit der Wirkweise des Patriarchats ist.
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* Das Rezensionsexemplar von “unlearn patriarchy” wurde mir freundlicherweise von den Ullstein Verlagen kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung jedoch nicht beeinflusst.

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