Unter uns die Nacht – Becky Chambers

Erneut entführt Becky Chambers in “Unter uns die Nacht” in die von ihr kreierte Wayfarer-Welt. Nach einem Ausflug auf das Bohrschiff “Wayfarer” (dessen Crew für den Aufbau von Wurmlochrouten zuständig ist) und näherer Bekanntschaft mit Pepper & Lovelace, steht in diesem Teil das Leben auf den Siedlerschiffen, der „Exodus-Flotte“ im Fokus des Geschehens.

Vom Aufbau und der Art des Storytellings her, ähnelt dieser Teil der Reihe sehr dem zweiten Teil: Die Handlung ist zwar interessant und weißt die ein oder andere unerwartete Wendung auf, doch es stehen auch hier wieder sehr philosophische Fragen im Vordergrund. Durch diese spannende Verweben von Geschehnissen und dem Hinterfragen des Ist-Zustands, ist „Unter uns die Nacht“ nicht nur eine nette Sci-Fi-Lektüre, sondern erweitert auf auf diese Art auch den individuellen Horizont der Lesenden.

Wohin gehen wir, wenn wir gehen?

Ein Thema, dass mich enorm berührt hat, ist der Umgang mit dem Tod. Die Exodus-Flotte kreist permanent durchs Weltall und nachdem die Menschen vor vielen Jahrzehnten die Erde verlassen haben, wachsen inzwischen Generationen auf, ohne die alte Heimat zu kennen. Das die einzelnen Raumschiffe der Flotte dabei im Grunde autonom sind, wirft neben vielen technischen Fragen eben auch die des natürlichen Kreislaufes auf. Denn die Verstorbenen werden nicht etwa nach guter Star Trek Manier in einer Kapsel ins Weltall geschossen, sondern – wieder dem Kreislauf zugeführt, sodass sie als Düngemittel für Pflanzen dienen.

Becky Chamber – Unter uns die Nacht – Foto vom Buchdeckel

Auch diesmal folgt die Geschichte dabei verschiedenen Figuren und schaut ihnen in ihrem Alltag auf dem Schiff über die Schulter. Becky Chambers gibt dabei diesmal eben auch einen tiefen Eindruck in die in den letzten beiden Teilen immer mal wieder angedeutete Lebenswelt der Siedlerschiffe. Und was es bedeutet, von absoluter Schwärze umgeben zu sein und einen ausschließlich künstlichen Tag-Nacht-Rhythmus zu haben.

Klappentext von Unter uns die Nacht

Auf der Asteria, einem Siedlerschiff der exodanischen Flotte, ist für jeden gesorgt: Alle haben eine Wohnung, alle haben zu essen, alle haben einen Job – und leisten noch im Tod einen wertvollen Beitrag zur Gemeinschaft. Lichtjahre entfernt von der zerstörten Erde haben sich die Menschen ein wohldurchdachtes, selbstgenügsames Leben im Weltraum eingerichtet.

Doch inzwischen sind ganze Generationen auf den Schiffen der Flotte geboren und aufgewachsen, und je selbstverständlicher das Siedlerdasein wird, desto größer sind die Zweifel: Bei Kip, der mit seinen 16 Jahren noch nicht weiß, was er mit seiner Zukunft anfangen will – außer dass sie sich definitiv nicht auf der Asteria abspielen soll. Bei Tessa, deren Alltag mit Job und Familie mehr als ausgefüllt ist – bis der technische Fortschritt sie einholt. Und bei der Archivarin Isabel, die sorgfältig die alten Traditionen bewahrt, die die Menschheit im Exil zusammenhalten sollen.

Sie alle stehen vor der Frage: Warum auf einem Schiff bleiben, das sein Ziel längst erreicht hat? (Quelle)

Von der menschlichen Gemeinschaft zur Gesellschaft

Schön beschrieben sind wieder auch die verschiedenen Spezies, die den bekannten Teil des Weltraums bevölkern und, welche Besonderheiten jede von ihnen mitbringt. Aber auch die enorme Fähigkeit der Selbstreflexion ihrer Figuren, hat mich wieder einmal fasziniert. Die Romane von Becky Chambers sind und bleiben mit meine liebsten Science Fiction Romane.

Becky Chamber – Unter uns die Nacht – Foto vom Buchdeckel

Und das liegt auch an ihrer Art, den roten Faden durch das ganze Buch zu ziehen, obwohl so viele verschiedene Perspektiven und unterschiedliche Charaktere zu Wort kommen. Ob das nun die junge Trauerbegleiterin ist, die lieber auf einem der anderen Siedlerschiffe feiern geht, weil sie auf der Asterix zu bekannt ist oder sich die Geschichte gerade um das Leben der älteren Archivarin Isabel dreht, die den Nutzen der Flotte nach all der Zeit in Frage stellt. Die Figuren sind diesmal vielleicht am vielfältigsten gewählt – obwohl es fast alles Menschen sind – einfach, weil ihre Perspektiven und Erwartungen so unterschiedlich sind. Und Becky Chambers fängt sie alle mit Bravur ein.

Fazit: Wieder einfach nur Wow. Becky Chambers ist eine Meisterin der erzählerischen Science Fiction und auch im dritten Teil der Wayfarer-Reihe versteht sie es, auch ohne viel Action eine angenehme Spannung aufzubauen. Die philosophische Tiefe und die durchdachte Komplexität ihrer Welt sind dabei genauso schön, wie die liebevolle Übersetzung ins Deutsche.

Buchrezension Bewertung

Bibliographische Angaben

Titel: Unter uns die Nacht
Autorin: Becky Chambers
Originalsprache: englisch
gelesen auf: deutsch, übersetzt von Karin Will
Version: Taschenbuch
Verlag: FISCHER Tor; Auflage: 2 (27. März 2019)
ASIN: B07JN5F2Q2
ISBN: 978-3596702626
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 464 Seiten
Preis: 9,99€ (TB), 9,99€ (eBook)

Becky Chamber – Unter uns die Nacht – Foto vom Buchdeckel

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