The future is female! – Scarlett Curtis

Seit einiger Zeit schon schmückt „The future is female!“ von Scarlett Curtis mein Bücherregal. Immer und immer wieder nehme ich es zur Hand und lese einzelne Essays der Autorinnen noch einmal. Denn das versteckt sich hinter dem Titel: kurze Geschichten und Eindrücke unterschiedlicher Frauen zum Thema Feminismus – gesammelt von der Londoner Aktivistin und Autorin Scarlett Curtis.

Witzig und unterhaltsam – aber auch schockierend traurig und einfach nur ehrlich

Die zu Wort kommenden Feministinnen haben vielfältige Backgrounds, unterschiedliche Vitas und doch eines gemeinsam: Sie alle beschäftigen sich auf die ein oder andere Weise mit dem Thema Feminismus und der Rolle der Frau in der Gesellschaft. Die Texte sind unterhaltsam und zum Teil sogar witzig – vor allem aber auch schockierend, ehrlich – und persönlich.
Und das bedeutet so unheimlich viel, denn niemand braucht plakative Texte zu irgendeinem Thema – am wenigsten zum Feminismus. Stattdessen sind es genau solche Alltagstexte, die wir brauchen. Texte, die an ganz konkreten Beispielen zeigen, was noch immer so sehr stört. Warum selbst der weiße Bilderbuchmann, der selbst versucht, jede*n gleich zu behandeln und niemanden vorzuverurteilen, Vorzüge genießt, die ihm sicherlich oftmals gar nicht bewusst sind. Und das schafft dieses Buch. Es schafft es ganz hervorragend.

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Inspirierende Texte – nicht nur von Emma Watson und Keira Knightley

The future is female! ist aber auch eine prima Inspirationsgrundlage. Die Texte von Tapiwa H. Maoni und Olivia Perez haben mich sehr bewegt und auch Swati Sharmas Gedicht hat mich enorm berührt.

So viele unterschiedliche aber allesamt wunderbare Feministinnen kommen in diesem Buch zu Wort, dass es schade ist, dass der Verlag Emma Watson, Keira Knightley und Katrin Bauerfeind auf dem Cover namentlich erwähnt, die zwar auch lesenswerte Beiträge beigesteuert haben – aber vor allem wohl die besseren Zugpferde sind. Vor der Tatsache, dass so auch „Neulinge“ nach dem Buch greifen und es lesen, ist es ein kluger Schachzug. Dennoch wartet dieses Buch mit Namen auf, die sich auf dem Cover besser gemacht hätten. Denn sie hätten die Vielfältigkeit der Autorinnen unterstrichen.

Klappentext für The future is female!*

Die Welt, in der Frauen heute leben, ist trotz #MeToo und immer größer werdenden öffentlichen Protesten gegen die Geschlechterungleichheit noch immer massiv vom Gender Pay Gap, der Sehnsucht nach dem perfekten Bikinibody und Mansplaining definiert. »The future is female! Was Frauen über Feminismus denken« ist das Buch für Mädchen und Frauen, die sich mit diesem ungenießbaren Cocktail nicht länger zufriedengeben wollen, eine einzigartige und vielstimmige Textsammlung. Frauen von der Hollywood-Ikone bis zur Teenie-Aktivistin erzählen darin ihre ganz persönliche Geschichte; alle Geschichten zusammengenommen entwickeln eine Kraft, die die alte Welt aus den Angeln heben kann und dem F-Wort einen ganz neuen Glanz verleiht. Der Feminismus von heute definiert sich über das Dafür und Miteinander und nicht ewig gestrig über das Dagegen, er ist eine unwiderstehliche Notwendigkeit – und jede Einzelne von uns gehört dazu! (Quelle)

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Was soll eigentlich diese grausame Farbe?

So oder so ähnlich dachte ich, als ich das Buch das erste Mal in den Händen hielt. Es pink zu nennen, ist irgendwie nicht ausreichend. Sinn ergibt es, wenn du weißt, das der Originaltitel „Feminists don’t wear pink and other lies“ heißt, nochmal über den Namen von Herausgeberin Scarlett Curtis nachdenkst und dich daran erinnerst, dass sie die Gründerin des Pink-Protest ist. Anstrengend bleibt die Signalfarbe dennoch – und die Originalausgabe wirkt weitaus weniger leuchtend.

Dennoch – das Buch fällt auf und vielleicht ist das auch absolut gut so. Denn ob Schauspielerinnen wie Emma Watson, Saoirse Ronan, Keira Knightley und Kat Dennings, Romanautorinnen wie Tapiwa H. Maoni, Helen Fielding und Dolly Alderton, sie alle haben einen wundervollen Beitrag zu diesem Werk geschaffen.
Exklusiv in der deutschen Ausgabe findest du außerdem Essays von Milena Glimbovski, Katrin Bauerfeind, Karla Paul, Fränzi Kühn, Tijen Onaran und Stefanie Lohaus.

Große Problematik: Einseitigkeit

Mein Kritikpunkt zu diesem Buch kommt ganz zum Schluss. Denn obwohl mir das Buch wirklich gut gefallen hat und es aus meiner Sicht eine wichtige Literatur ist, die unterschiedliche Perspektiven ausleuchtet, fehlen auch viele Perspektiven.
Da ist zum Beispiel die Tatsache, dass die meisten Autorinnen Schauspielerinnen und Aktivistinnen sind. Viele andere Berufsgruppen kommen daher gar nicht zu Wort. Was ist beispielsweise mit Bauarbeiterinnen, Chemikerinnen oder Sportlerinnen? Haben wir nicht erst kürzlich wieder durch die Austragung der Fußball-WM der Frauen feststellen dürfen, wie extrem hier die Unterschiede sind?
Und dann beschränkt sich das Buch nach meinen Recherchen heir weitestgehend – berichtige mich gern, sollte ich hier falsch liegen – auf Menschen, die menstruieren. Also die Bilderbuch-Cis-Frau. Und das wiederrum schließt viele Frauen kategorisch aus und widerspricht eigentlich auch der inklusiven Botschaft, die das Buch im Grunde genommen senden möchte.

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Fazit: Ein wahnsinnig schönes, informatives und mitreißendes Buch, das sich durch den episodenartigen Aufbau einfach herrlich lesen lässt. Schwäche in der Auswahl der Autorinnen – hier fehlt es an Perspektiven und Inklusion. Dennoch bekommt das Buch besonders für Neueinsteiger*innen in die Thematik eine absolute Leseempfehlung.

Buchrezension Bewertung

Bibliographische Angaben

Titel: The future is female! – Was Frauen über Feminismus denken*
Autorin: Scarlett Curtis (Herausgeberin)
Originalsprache: englisch „Feminists don’t wear pink and other lies“
gelesen auf: deutsch
Version: Paperback
Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: Deutsche Erstausgabe (8. Oktober 2018)
ASIN: B07F5XCKXL
ISBN: 978-3442159826
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 416 Seiten
Preis: 12,00€ (Paperback), 9,99€ (eBook)

* Das Rezensionsexemplar von The Future is Female! wurde mir freundlicherweise von der Verlagsgruppe Randomhouse kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung jedoch nicht beeinflusst.

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