Someone New – Laura Kneidl

Viel wurde gesprochen über den New-Adult-Roman „Someone New“ von Laura Kneidl und noch mehr schön in Szene gesetzte Bilder wurden auf Instagram gepostet. Nun erscheint Ende des Monats der zweite Teil der dreiteiligen Reihe – Zeit für einen Blick auf den ersten Band.

Und ich muss gestehen: Nachdem ich die „Berühre mich. Nicht.“-Dilogie von Laura Kneidl gelesen hatte, war ich aufgeregt und verhalten zugleich, was das Lesen von „Someone New“ anging. Aufgeregt, da mir der Lauras Schreibstil gut gefallen hat sich die Reihe trotz des schwierigen Themas gut gelesen hat.
Verhalten, da ich bereits wusste, dass sie sich auch diesmal wieder eines schweren Themas angenommen hatte.

Mehr als nur eine seichte Lovestory

Versteh‘ mich nicht falsch: Ich finde es wunderbar, dass Laura in ihren Romanen über wesentlich mehr schreibt, als nur eine seichte Sommerliebelei. Das ist sogar einer der Gründe, warum ich sowohl ihre Romane als auch die von Bianca Iosivoni wirklich gerne lese – z. B. Falling Fast und Flying High. Beide sind darum bemüht, ihre Romane voll und ganz darauf auszurichten, was wichtig ist: Das wir lieben dürfen, wen wir wollen, psychische Probleme genauso thematisieren können wie einen Beinbruch und wir Menschen, die uns körperlich oder seelisch schaden, nicht hinnehmen müssen, weil sie eben nicht alles dürfen, nur weil sie (vielleicht) stärker sind.
Aber genau das erfordert auch wesentlich mehr Zuwendung durch die Lesenden als der durchschnittliche Liebesroman. Denn sie zeigen immer auch die Perspektive der anderen. Derjenigen, die dafür verantwortlich sind, dass die ProtagonistInnen und auch andere Charaktere in den Büchern oft nicht sein dürfen, wie sie gern sein möchten. Und das muss auch so sein. Das ist verdammt gut so. Denn es zeigt eben auch, dass es leider längst nicht in allen Köpfen normal ist.

Spießige Eltern mit Geld haben auch ihre Vorteile

Micah, die Protagonistin, aus deren Perspektive die Geschichte geschrieben ist, studiert ihren Eltern zu Liebe Jura, obwohl sie es hasst und eigentlich lieber etwas künstlerisches machen möchte – dafür spricht nicht nur ihre Comicsammlung, sondern auch die Tatsache, dass sie selbst an einer Graphic Novel arbeitet. Und nicht nur deswegen passt sie eigentlich nicht in die Vorstellung ihrer Eltern, die bei allem, was sie tun, vor allem bedenken, was andere Menschen darüber denken mögen. Natürlich nur andere wohlhabende Menschen, denn andere Meinungen interessieren in der Welt von Micahs Eltern nicht.

Innentitel von "Someone New" von Laura Kneidl mit persönlicher Widmung – Buchrezensionen, Gespräche mit AutorInnen und mehr – auf vielleichtaberdoch.de

Kein Wunder also, dass Micah eigentlich so weit wie möglich von ihren Eltern weg will – aber solange, wie ihr Bruder verschollen ist, will sie dennoch in der Stadt bleiben, damit er Kontakt mit ihr aufnehmen kann, sobald er will. Denn ihr Zwilling Adrian ist nach einem Streit mit den spießigen Eltern Hals über Kopf abgehauen und hat den Kontakt zur Familie einstweilig abgebrochen.
Daher nimmt sie sich, reiche Eltern sei dank, eine Eigentumswohnung in ihrer Heimatstadt und findet sich unversehens in der Nachbarschaft des jungen Mannes wieder, der kurz zuvor ihretwegen seinen Job verloren hat.

Klappentext von „Someone New“

Ich mache mir ständig Gedanken darum, was andere Menschen von mir denken. Wen sie in mir sehen. Aber nicht bei dir. Bei dir kann ich ganz ich selbst sein.
Als Micah auf ihren neuen Nachbarn trifft, kann sie es nicht glauben: Es ist ausgerechnet Julian, der wenige Wochen zuvor ihretwegen seinen Job verloren hat. Micah fühlt sich schrecklich, vor allem, weil Julian kühl und abweisend zu ihr ist und ihr nicht mal die Gelegenheit gibt, sich zu entschuldigen. Doch gleichzeitig fasziniert Micah seine undurchdringliche Art, und sie will ihn unbedingt näher kennenlernen. Dabei findet sie heraus, dass Julian nicht nur sie, sondern alle Menschen auf Abstand hält. Denn er hat ein Geheimnis, das die Art, wie sie ihn sieht, für immer verändern könnte … (Quelle)

Obwohl der Fokus des Buches, der Klappentext verrät es schon, darauf liegt, dass die Lesenden gemeinsam mit Micah nach und nach das Geheimnis von Julian entschlüsseln, sind auch viele andere Plots spannend gestaltet.
Da ist natürlich die Geschichte um Micahs Bruder Adrian, der nach einem furchtbaren Streit das gemeinsame Elternhaus verlassen hat und sich scheinbar auch von Micah abgewendet hat. Da ist Micahs Schulfreundin Lilly, die mit ihrem Sohn Link nicht nur die Zelda-Fans glücklich macht und natürlich sind da die beiden MitbewohnerInnen von Julian. Letztere werden übrigens das ProtagonistInnen-Pärchen im zweiten Teil der Trilogie: „Someone Else“.

Interessante Charakterentwicklung der Protagonistin

Interessant finde ich vor allem die Charakterentwicklung von Micah. Ist sie am Anfang noch recht stark Ich-bezogen und wägt sich zwar gänzlich anders als ihre Eltern, obwohl sie ebenfalls viele Dinge zu ihrem eigenen Vorteil macht, ändert sich das im Laufe der Geschichte.
Manchmal, da bin ich ehrlich, sogar ein bisschen zu sehr. Denn gegen Ende gibt sie sich oft eine Art Mitschuld an Dingen, für die sie gar nichts kann. Sei es Julians Misstrauen ihr gegenüber in Bezug auf sein Geheimnis oder auch ihrem Bruder gegenüber.

Der Klappentext von "Someone New" von Laura Kneidl – Buchrezensionen, Gespräche mit AutorInnen und mehr – auf vielleichtaberdoch.de

Es ist natürlich toll, dass sie versucht, sich in beide Männer hineinzuversetzen und scheinbar versteht, warum sie sich anderen gegenüber nur so vorsichtig öffnen, aber hin und wieder dachte ich mir „Mädel, aber du kannst doch nichts dafür.“ – denn durch das Misstrauen der beiden ihr gegenüber, verletzen sie sie ja letzten Endes auch. Und natürlich sind diese Gefühle nicht vergleichbar mit der Angst, der Enttäuschung, der Resignation der beiden Männer, aber diesen Anspruch hat dieses Gefühl auch gar nicht. Es ist lediglich so, dass es da ist. Und auch wenn es klein wirken mag, im Vergleich zu den Gefühlen Julians oder Adrians, ist es da.

Es geht weiter!

Der Großteil der Geschichte um Micah und Julian mag erzählt sein, doch in den beiden Folgebänden „Someone Else“ und „Someone To Stay“ (erscheinen beide noch in diesem Jahr), wird es mit Sicherheit ein Wiedersehen mit den beiden geben und ich freue mich drauf. Freue mich darauf, wie es mit den beiden – dann als Nebencharaktere – weiter geht, während wir im zweiten Band zunächst die Geschichte von Cassie und Maurice lesen können und im dritten Teil dann die von Alisa und Lucien. Alle Charaktere sind zumindest kurz schon in „Someone New“ aufgetaucht und haben Lust auf mehr gemacht.

Fazit: Mit „Someone New“ hat Laura Kneidl sich noch einmal selbst übertroffen. Tiefgründige Dialoge und witzige Szenen wechseln sich spannungsvoll ab, die Sprache ist gewohnt eindrucksvoll und die Charaktere bunt und überlegt. Und während sich die Story aufbaut, offenbart sie sich als ein Buch, dass wichtiger, richtiger und wunderbarer kaum sein könnte.

Buchrezension Bewertung

Bibliographische Angaben „für Someone New“

Titel: Someone New
Autorin: Laura Kneidl
Originalsprache: deutsch
gelesen auf: deutsch
Version: Taschenbuch/Broschiert
Verlag: LYX; Auflage: 4. Aufl. 2019 (28. Januar 2019)
ASIN: B07D175JVR
ISBN: 978-3736308299
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 544 Seiten
Preis: 12,90€ (TB), 9,99€ (eBook)

* Das Rezensionsexemplar von Someone New wurde mir freundlicherweise vom LYX Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung jedoch nicht beeinflusst.

Das Buchcover von "Someone New" von Laura Kneidl – Buchrezensionen, Gespräche mit AutorInnen und mehr – auf vielleichtaberdoch.de

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