Mord in der Mangle Street – M.R.C. Kasasian

Bei einem Schaufensterbummel lande ich früher oder später immer in einer Buchhandlung. In der Regel habe ich dann zwei verschiedene Taktiken: Entweder ich suche gezielt meine liebsten Buchreihen und schaue, was in deren Nähe als Empfehlung steht oder ich schlendere durch die Gänge und halte nach hübschen Buchcovern Ausschau. Letzteres habe ich kürzlich erst wieder erfolgreich durchgeführt und dabei den Krimi Mord in der Mangle Street entdeckt.

Turbulente WG im viktorianischen London

Die Art und Weise, wie der Atlantik-Verlag seine Cover gestaltet, hat mir schon im Morley-Roman Das Haus der vergessenen Bücher gefallen. Auch diesmal hat mir die Art und Weise, wie die Illustration und der Inhalt miteinander harmonieren, sehr gefallen.

Der wohl größte Pluspunkt war jedoch das Setting. Ich habe nicht viel übrig für moderne Kriminalromane (es sei denn, sie werden mit einer großten Portion Urban Fantasy gewürzt, wie etwa in der Buchreihe Die Flüsse von London), bin aber um so mehr ein Fan der alten Marple-Holmes-Riege. Stell dir also kurz meine Begeisterung vor, als ich den Klappentext von Mord in der Mangle Street las.

London 1882. Nach dem Tod ihres Vaters begibt sich die junge March Middleton in die Obhut ihres Patenonkels: Sidney Grice, Englands berühmtester Detektiv, der vor einem neuen Rätsel steht. Eine Frau ist brutal ermordet worden, der einzige Verdächtige ist ihr Ehemann. Mit jeder neuen Wendung des Falls ist Sidney stärker von der Schuld des Ehemanns überzeugt und March von seiner Unschuld. In die dunkelsten Ecken des East End führen die Ermittlungen die junge Frau mit dem Faible für Gin und den bärbeißigen Spötter mit dem Glasauge. Wer von ihnen wird wohl recht behalten? (Quelle)

Das Buch verspricht schon auf dem Klappentext eine schöne viktorianische Kulisse. Ergänzt mit der richtigen Portion Humor und zwei sehr verschiedenen Charakteren, die von nun an unter einem Dach leben müssen.

Ein veganer Ermittler, eine Gin-liebende Dame und das ganze viktorianische Elend

Ungewöhnlich ist die Figurenkonstellation in Mord in der Mangle Street allemal: Sidney Grice erinnert in seiner eingebildeten Art zum Teil sehr an seine berühmten Vorgänger Sherlock Holmes und Hercule Poirot. Doch auf den zweiten Blick doch ein ganz anderer Charakter, der sozial äußerst unbeholfen wirkt und rein gar nichts von Gelüsten ganz gleich welcher Art hält. Erfrischend anders ist March Middleton: Grices Mündel ist eine selbstbewusste Frau, die liebend gern zurück feuert, wenn Grice sich merkwürdig verhält. An einigen Stellen durchbricht sie sogar die viktorianische Rollenverteilung. Was ihre kombinatorischen Fähigkeiten angeht, nimmt sie die klassische Rolle des Hastings oder Watson ein. Allein durch die Tatsache, dass sie als viktorianische Frau aber auch das „Gefühl“ verkörpert, ist die Konstellation dennoch eine andere.

Die Story hat zahlreiche Dialoge und vergleichsweise wenige Beschreibungen von Figuren und Handlungen. Dennoch habe ich mich sehr schnell in das Buch eingefunden und konnte es dann gar nicht mehr aus der Hand legen. Zwischendurch gibt es 2-3 Passagen, die sich in die Länge gezogen haben. Das lag vor allem an einigen gestelzt wirkenden Umschreibungen.

Fazit: Von mir bekommt das Buch eine absolute Leseempfehlung. Fans des viktorianischen London mit einem seichten Faible für Brutalität und Humor an den richtigen Stellen, kommen in diesem Buch auf ihre Kosten.
Ein Manko gibt es natürlich auch: Die Idee ist nicht ganz neu, doch wer das Genre mag, wird sich daran nicht stören.

Buchrezension Bewertung

Bibliographische Angaben

Titel: Mord in der Mangle Street
Autor: M.R.C. Kasasian
Originalsprache: englisch; “The Mangle Street Murders (The Gower Street Detective Series)”
gelesen auf: deutsch
Version: Taschenbuch
Verlag: Atlantik (16. August 2017)
ASIN: B01HTP01H0
ISBN: 978-3455002119
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 400 Seiten
Preis: 12,00€ (TB), 9,99€ (eBook)

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