#LBM19 – Überlebenstipps auf Buchmessen

Drei Wochen nach einem so großen Event wie der Leipziger Buchmesse ist ein guter Zeitpunkt, um das eigene Messeverhalten zu reflektieren, endlich die letzten Messe-Goodies auszupacken und einen Beitrag über Buchmesse Tipps zu schreiben. Der Messeblues ist im Prinzip überwunden und gleichzeitig sind die Erinnerungen noch frisch und unverfälscht.

Überlebenstipps – Braucht es das?

Gerade wenn du zum ersten Mal auf einer Messe oder einem anderen Großevent bist, versuchst du vorher so viel wie möglich darüber zu erfahren, oder? Mir zumindest geht es so – und wenn ich an meine erste „offizielle“ Buchmesse zurück denke, habe ich möglicherweise sehr viel Zeit in Recherchen gesteckt. Ganz froh war ich dann immer, wenn es Messeberichte gab, in denen nicht nur zwahnzig aufeinander folgende Termine standen, sondern auch Empfehlungen der unterschiedlichsten Art. Natürlich sind diese immer auch sehr subjektiv. Um so besser ist aber eine Vielfalt solcher Berichte. ♥
Am Ende des Beitrages gibt es daher auch ein Sammelsurium an ähnlichen Beiträgen, die allesamt ein Ziel haben: Deinen nächsten Messebesuch zu optimieren. Und ebenfalls am Ende wird es eine kurze Top-10 geben – sozusagen noch einmal als Zusammenfassung des Artikels oder aber für diejenigen, die keine Zeit zum Lesen haben. 😉

Die Vorbereitungen: Zugtickets, Unterkunft und mehr

1. Unterkunft

Mein erster Messebesuch war ein Tagesausflug. Von Berlin nach Leipzig kann man das mal machen. Am Ende des Tages habe ich mich dennoch gefragt, ob ich eigentlich komplett übergeschnappt bin. Es ist ja generell schlicht unmöglich, alles auf der Messe zu sehen, aber ein einziger Tag? Das wollte ich künftig besser planen.

Daher buche ich seitdem immer schon für das Folgejahr meine Unterkunft. Und das ist wichtig! Denn spontan noch eine Unterkunft in Leipzig zu bekommen ist sehr unwahrscheinlich. Gerade, wer auf Hotels/Hostels angewiesen ist, sollte sich hier nicht auf sein Glück verlassen. Dabei können die Messepreise sehr ernüchternd sein. Ich habe (nicht nur) daher eine ganz wunderbare Messebegleitung, mit der ich mir immer wieder gern ein Zimmer teile. Wir buchen in der immer mit voller Stornogarantie bis zum Anreisetag über Booking – aber durch die Messezeit solltest du auf Nachfrage auch direkt bei den Hotels ein Zimmer mit guten Stornofristen bekommen. Frage einfach mal telefonisch nach, bevor du buchst.

2. Anreise

Der nächste wichtige Punkt ist das Zugticket. Parken kann während der Messe sowohl in der Innenstadt, als auch auf dem Messegelände, sehr schnell zur (teuren) Qual werden. Hingegen sind Zugtickets, gerade wenn du sie längere Zeit im Voraus buchst, vergleichsweise günstig. Die Bahn hat es bisher auch oft eingerichtet, dass ICE-Züge am Messewochenende zusätzlich am Messegelände anhalten. Entspannter geht es fast gar nicht. Auch Flixbus und andere Alternativen solltest du dir gründlich anschauen, ehe du dich ins Auto schwingst – hier lassen sich oft richtig gute Schnäppchen machen.

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Messeprogramm: Vorher Planen und Absprechen

1. Grundsätzliches „Ausmisten“

Das Messeprogramm ist umfangreich. Und gerade bei den ersten Blicken in das Programm, habe ich immer das Gefühl, dass es nur dafür gemacht wurde, um mich zu erschlagen. Aber im Grunde genommen weißt du ja, was du willst. Du magst keine Manga und Anime? Dann fällt gleich das Programm einer ganzen Hallte für dich weg. Gleiches beim Antiquariatsprogramm oder Fantasy. So kannst du die Programmvielfalt gleich mal etwas einschränken.
Ich suche inzwischen auch viel direkt in den Genres oder speziell nach Autor*innen, die ich gern treffen würde wollen. Und dann gibt es da natürlich diverse Blogger*innen, Verlage und Autor*innen, die eine Programmübersicht auf ihren Seiten anbieten. Einfach mal hin und wieder über die Suchmaschinen gehen und abseits von Messe-App und Gesamtprogramm schmökern.

2. Programm-Messi

Am Anfang solltest du unbedingt alles sammeln, was dich interessiert. Drei Termine zur gleichen Zeit in zwei verschiedenen Hallen? Eine Lesung und eine Signierstunde überschneiden sich? Erstmal egal. Schreib es dir auf oder speichere dir alle Programme als Favoriten in der Messe-App. Eventuell verschiebt sich noch ein Programmpunkt oder fällt ganz aus und den anderen findest du dann vielleicht nie wieder. Gerade wenn du selbst über Bücher bloggst, kann es auch passieren, dass dir vom Verlag angeboten wird, eine/n Autor*in auch außerhalb des Programms zu treffen. Dann kannst du statt ihrer/seiner Lesung einen anderen Programmpunkt besuchen. Prüfen solltest du unbedingt, ob du wirklich zu Signierstunden gehen möchtest und dann entsprechend Zeit mitbringen, wenn du das für dich bejahen kannst. Natürlich ist ein Autogramm von der Lieblingsautorin etwas besonderes – aber mache dir bewusst, dass du dafür mitunter eine Stunde und länger anstehen musst – und die Signierstunde vielleicht sogar abgebrochen wird, wenn die angedachte Zeit dafür abgelaufen ist.

3. Terminplanung/Treffen

Nicht vergessen solltest du vorherige Absprachen. Hast du eine Messebegleitung, mit der du unterwegs bist, ist es sinnvoll, gleich zu klären, ob ihr auch zusammen bleibt, wenn ihr euch eigentlich für zwei zeitgleiche aber unterschiedliche Programme interessiert. Oft ist es sinnvoll, sich dann aufzuteilen und später wieder zu treffen.
Aber auch, wenn du auf dem Messegelände andere Blogger*innen treffen möchtest oder dich mit Verlagsleuten und Autor*innen verabredest: Fange damit nach Möglichkeit nicht erst in der Messewoche oder auf der Zugfahrt an. Viele planen schon aus An- und Abreisegründen frühzeitig und haben dann keine Zeit mehr für dich.

Profitipp: Dieses Jahr war das Signal auf dem Messegelände fast überall fantastisch. In den Jahren davor war es überlebenswichtig, Treffpunkte und Uhrzeiten vorher auszumachen, weil reine Textnachrichten mitunter über Stunden nicht zugestellt wurden. „Sind gerade am Crêpes-Stand im Glaspavillon.“ war daher eine eher ungünstige Verabredung.

4. Pausen, Pausen, Pausen

Last but not least: Bei allem Verständnis für das umfangreiche Programm für jeden Geschmack. Gönn‘ dir Pausen. Das ganze Umherlaufen und die vielen Eindrücke, das ist alles sehr anstrengend und kräftezehrend. Dir also von 10 Uhr bis 18 Uhr vier einstündige Lesungen mit anschließender Signierstunde vorzunehmen, ist schon aus logistischen Gründen (du musst ja auch erst zur jeweiligen Leseinsel oder zum Verlagsstand kommen) einfach nicht machbar. Und ein bisschen Zeit für eine nette Plauderei an einem Stand soll ja schließlich auch noch sein. 😉

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Das Messewochenende selbst

1. Anreise zur Messe

Zur Messe kommst du – mit den öffentlichen Verkehrsmitteln – primär auf zwei Wegen: mit der S-Bahn und mit der Straßenbahn. Beides ist unter Anderem vom Hauptbahnhof Leipzig aus möglich. Wenn du bereits ein Messeticket hast, gilt es für den jeweiligen Tag auch als Fahrschein.
Eigentlich ist es egal, ob du dich für die S-Bahn oder die Straßenbahn entscheidest. Beide fahren während der Messe relativ oft und sind grundsätzlich immer voll. Und ich meine eher die „Schienersatzverkehr: Alle aus diesem Regionalzug bitte da vorne in den Bus einsteigen“-Variante von voll. Warten auf die nächste Bahn lohnt sich nur in sofern, dass du dich strategisch klüger zum Einsteigen positionieren kannst – insgesamt leerer wird die nächste Bahn dadurch natürlich nicht, aber du stehst dann vielleicht nicht mit dem Gesicht an die Tür gedrückt.
Die Fahrtzeit ist mit ca. 15 Minuten aushaltbar, daher empfehle ich dir nur: Mach es wie alle anderen und sehe es unbedingt mit Humor. Und als kleinen Vorgeschmack auf die Messe-Massen – gerade am Samstag. 😉

2. Was du dabei haben solltest und was nicht

Wasserflasche, Kamera, dreistöckige Bentobox, deine 250 frischgedruckten Visitenkarten, ein Tarp und für alle Fälle noch drei Bücher zum „Zwischendurch mal reingucken“. Die Grenze zwischen den Dingen, die du auf jeden Fall brauchst und denen, die du während der Stunden auf der Messe nicht einmal angucken wirst, ist fließend. Und sie verläuft zweifelsfrei bei jedem anders. Und oft ist auch die Menge entscheidend. Denn weder willst du 25kg mit dir herumtragen, noch ständig zur Garderobe gehen – das Messegelände ist schließlich voller Menschen und Bewegung bekommst du auf der Messe auch so genug. Daher geht die Auswahl schon bei der Tasche los. In diesem Jahr hatte ich einen hippen Jute-Turnbeutel für all meine Sachen dabei. Dazu einen Stoffbeutel „für den Fall der Fälle“. Meinen Rollkoffer mit allen übernachtungs- und reisebedingten Materialien hatte ich Freitag und Sonntag in der Garderobe abgegeben und am Samstag natürlich im Hotel gelassen.

In der Tasche selbst hatte ich eine 0,5l Flasche Wasser, die ich dann nach Bedarf zwischendurch wieder aufgefüllt habe. Dazu zwei Müsliriegel und einen Apfel für die Naschmomente zwischendurch. Dann natürlich Portemonnaie, Spiegelreflex (die ich nur Sa+So mit auf der Messe hatte) mit einem Objektiv, A5-Notizheft mit 2 Stiften, Powerbank mit Ladekabel für mein Smartphone, eine kleine Metalldose mit 25 Visitenkarten und eine Minidose Laktase-Tabletten. Mein Smartphone selbst hatte ich in einer Tasche meines Blazers

Was ich nicht mitgenommen habe, obwohl es vielleicht verlockend war, waren ein zweites Objektiv (hätte ich zur Not im Koffer gehabt und habe es wirklich nicht gebraucht), mein Blitzgerät, meine Haarbürste, die 1l-Wasserflasche, wesentlich mehr Essen und Bücher. An Büchern hatte ich lediglich am Samstag, als ich zu einer Lesung mit anschließenden Autorinnengespräch gegangen bin, eines dabei.

Profitipp: Das Smartphone haben zumindest Blogger*innen eh die ganze Zeit am Wickel. Supernervig also, wenn du es ständig wieder diebstahlsicher verstauen musst. Ich achte auf der Messe mittlerweile darauf, eine (Strick-)Jacke anzuziehen, die verschließbare Taschen hat, in die mein Smartphone super schnell und sicher verstaut ist.

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3. All die schönen Messe-Goodies

In meinem ersten Messejahr speziell als Buchbloggerin habe ich alles mitgenommen, was ich kriegen konnte. Ob Gratis-Goddies oder direkt als Angebot, weil „Hey du bist doch Bloggerin oder?“ in mir so ein merkwürdiges VIP-Gefühl ausgelöst hat. Das meiste davon habe ich nicht nur tapfer den Rest des jeweiligen Tages mit mir herumgeschleppt, sondern danach auch mit dem Fernbus von Leipzig nach Berlin. Nur um dann mit etwas Abstand festzustellen, dass 90% davon gleich in den Papiermüll flattern werden.

TU DIR DAS NICHT AN! Schon allein für die Umwelt solltest du das nicht machen. Aber auch für dich selbst – denn all das Zeug wird echt schwer und ist irgendwann nur noch unangenehm zu tragen. Ich persönlich finde, dass es absolut nicht unhöflich ist, jemanden freundlich für die kurzen Ausführungen zu danken, dann aber darauf zu verweisen, dass es einfach nicht zu den gelesenen Genres gehört. Oder es eben nicht mitzunehmen, nur weil groß „Geschenkt!“ drauf steht. Glaube mir, du sammelst auch so noch genügend Goodies während der Messetage. ♥

4. Leipzig

Die Leipziger Innenstadt ist wunderschön und ich ärgere mich jedes Mal darüber, dass ich nicht noch einen Tag nur für diese schöne Stadt anhänge. Zahlreiche Cafés und Restaurants sind natürlich an diesem Wochenende überlaufen durch alle Messebesucher*innen, aber schon am Montag lässt das rapide nach. Wenn du die Möglichkeit hast: Hänge diesen Tag noch mit an und verarbeite gleich ein bisschen Messeblues, während du durch die Straßen schlenderst.

Falls du nach der Messe noch gemütlich etwas essen gehen möchtest, empfehle ich dir, vorher zu reservieren. Hat vor allem bei größeren Grüppchen Sinn, allein oder zu zweit bekommst du häufig auch spontan mit etwas Wartezeit noch einen Tisch im gewünschten Lokal.

Ansonsten ist die Leipziger Buchmesse auch nicht nur auf das Messegelände begrenzt und nach 18 Uhr für den jeweiligen Tag vorbei. Das „Leipzig liest“-Programm und weitere Veranstaltungen finden abends noch überall in der Stadt statt. Oft warten da nochmal spannende Lesungen oder andere Begegnungen mit Büchern auf dich.

Profitipp:
Ich war bisher immer nur Besucherin in Leipzig, aber es gibt einige liebenswerte Buchbloggerinnen, die in Leipzig leben oder eine ganze Zeit dort waren. Wusstest du, dass Jennifer auf ihrem Blog eine ganze Infoseite über Leipzig hat? Falls nein, solltest du unbedingt mal reinschauen.

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Zusammenfassung der Buchmesse Tipps

Die TOP 10 Messe-Überlebungstipps
  1. Buche Unterkunft und Zug- oder Bustickets rechtzeitig. Unterkunft ein Jahr vorher (mit kostenloser Stornierung). Verzichte nach Möglichkeit auf ein Auto.
  2. Speichere dir anfangs alle für dich interessanten Programmangebote ab. Egal, ob sie sich überschneiden. Aussortieren geht immer.
  3. Bei der finalen Programmerstellung achte aber darauf, genug Zeit für die Wege von A nach B, für kurze Zwischendrin-Gespräche an den Ständen und vor allem für Pausen einzuplanen.
  4. Auch wenn die Toilletenschlangen gruselig sind: Achte darauf, viel zu trinken und nutze auch mal die Übergänge, die draußen langgehen, um frische Luft zu bekommen. So bleibst du wach und aufmerksam.
  5. Bucher kosten auf der Messe genau das gleiche wie sonst im Buchhandel oder online. Daher: Kaufe Bücher für Signierstunden erst auf der Messe und schleppe sie nicht schon auf dem Hinweg mit. Aber kaufe keine Bücher auf der Messe, wenn du sie nicht signieren lassen möchtest/kannst. Mache dir ein Foto vom Cover oder schreibe dir den Titel auf und kaufe bequem, wenn du zuhause bist.
  6. Plane Treffen mit anderen am besten im Vorhinein. So haben auch alle zur vorgeschlagenen Uhrzeit noch Zeit und das Treffen platzt auch nicht aufgrund eines schlechten Mobilnetzes.
  7. Dein Messeticket ist gleichzeitig ÖPNV-Fahrschein im Raum Leipzig – mit S-Bahn und Straßenbahn kommst du z. B. vom Leipziger Hauptbahnhof direkt zum Messegelände.
  8. Denke an eine Wasserflasche und ein paar Snacks – aber solche, die auch mal einen Schubser auf der Messe überleben. Es gibt Essen auf der Messe, aber das ist recht teuer und die Schlangen davor sehr lang.
  9. Überlege dir gut, welche Gratisartikel du an den Ständen einsteckst – du willst dich ja nicht mit Zeug abschleppen, welches zuhause dann doch in die Papiertonne wandert.
  10. Das Messeprogramm endet nicht mit dem abendlichen Schließen der Messetüren. Auch abends finden noch viele spannende Veranstaltungen in Leipzig selbst statt.
Weiteres Messe-Know-How und andere Überlebenstipps auf Buchmessen

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