Im Gespräch mit Michelle Natascha Weber

Als ich vor einiger Zeit zufällig über die Bücher von Michelle Natascha Weber gestolpert bin, habe ich sie förmlich weggeatmet. Bis dato konnte mich Fantasy mit einem übermäßigen Romance-Anteil selten überzeugen. Doch Michelle hat scheinbar ein Tor in eine mir ganz unbekannte Welt geöffnet – denn inzwischen lese ich immer öfter Romantic Fantasy.
Nun hatte ich das Glück, mit ihr über ihre Bücher und natürlich auch sie als Autorin sprechen zu können.

Falls du Michelle bisher noch nicht kennst, lege ich dir gern meine bereits veröffentlichen Rezensionen zu drei ihrer Nebellande-Bücher ans Herz: Feenblut, Der Fluch des Drachen und Meister der Masken. Viele weitere Informationen über die Autorin findest du auch auf ihrer Website – inkl. vieler Informationen über bereits erschienende oder für die Zukunft geplante Werke.

Liebe Michelle, erstmal vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein paar Fragen nimmst. Ich beginne gleich mit einer etwas nostalgischen Frage, denn du bist ja schon ein ganzes Weilchen Autorin. Kannst du dich noch an die Anfänge erinnern? Oder anders gefragt: Was ging Dir durch den Kopf, als Du den Satz „Ich habe übrigens dein Buch gelesen.“ zum ersten Mal von Familie/Freunden gehört hast?
Oh je. Das ist lange her … ich kann mich gar nicht mehr erinnern. *lach* Ich schätze, es hat sich bei mir so natürlich entwickelt, weil ich aus dem Rollenspielbereich gekommen bin und es als Spielleiterin irgendwie gewohnt war, dass die Leute sich mit meinen Kopfergüssen auseinandersetzen. Deswegen hab ich das nie als neu oder in irgendeiner Form ungewöhnlich wahrgenommen. Wenn man Leuten praktisch Geschichten ins Gesicht erzählt, verliert man viel Scheu. Und irgendwie war es dann auch normal, dass andere meine Sachen gelesen haben. Ich war es eigentlich von Anfang an gewohnt, meine Texte zugänglich zu machen und Leser dafür zu haben. Man zuckt natürlich zusammen, wenn die Eltern das erste Mal mit einer Erotikszene konfrontiert werden und es ist ein bisschen mulmig. Aber das liegt in der Natur der Dinge, glaube ich.

Kannst Du inzwischen komplett von deiner Passion leben oder gehst Du noch einem zweiten Job nach?
Nein, ich bin tatsächlich heute zu 100% Autorin und sehr, sehr glücklich und dankbar, dass ich Leser gefunden habe, die mir das ermöglichen.

Das ist sehr schön zu hören – herzlichen Glückwunsch dazu! Aber du bietest deinen Lesenden ja auch so einige schöne Welten und viele teils sehr bunte Charaktere. Welchen Charakter Deiner Bücher magst du am liebsten?
Hmm. Das ist ehrlich gar nicht so leicht zu beantworten. Im Grunde wechselt das immer, weil die aktuellen Charaktere, über die ich gerade schreibe, in diesem Augenblick meine Lieblinge sind. Wenn das Buch dann beendet ist, fällt es mir auch ziemlich schwer, diese zurückzulassen und mich auf die nächsten einzulassen – die dann aber nach und nach diesen Platz in meinem Herzen beanspruchen und schließlich einnehmen. Ich liebe sie also eigentlich alle zu ihrer Zeit am meisten. Aber es hat immer mal Charaktere gegeben, die mir näher waren. Wie Aerios oder Gwynna und Bryn – mein »ältestes« Pärchen. Und ich liebe alle Charaktere aus dem Dämonen-Kosmos sehr.

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Zwei der Romane aus der „Nebellande“-Reihe

Und welcher Charakter hat Dir beim Schreiben so richtige Probleme bereitet?
Gewissermaßen bereiten sie mir am Anfang alle Probleme – der eine ein bisschen mehr, der andere weniger, weil ich sie natürlich erst kennenlernen muss.
Das ist nicht anders als bei realen Menschen – mit manchen hat man gleich eine starke Beziehung, bei anderen dauert es, bis man miteinander warm wird. Ans Aufgeben habe ich zeitweise bei Falkenseele gedacht. Auf den ersten 100 Seiten bin ich nicht mit diesem Buch zusammengewachsen und das hat mich wahnsinnig gemacht, bis der Knoten dann geplatzt ist. Aber ich bereite meine Charaktere ziemlich intensiv vor und fühle mich dann auch schon vorab ein, indem ich Dialoge und Zitate notiere. Das gibt mir oft schon eine starke Vorstellung ihrer Züge. Manchmal hakt es bei Nebencharakteren und es braucht eine Weile, bis sie in einer Szene durch irgendeine Kleinigkeit ihre Persönlichkeit zeigen und ich sie verstehe und greifen kann.

Das klingt nach sehr viel Vorarbeit, die du da selbst in Nebencharaktere steckst. Dabei ist die Vielzahl deiner Bücher ja auch eigenständig oder baut nur sehr indirekt aufeinander auf (z. B. bei der Nebellande-Reihe). Fällt es dir leicht, am Ende der Geschichte mit neuen Charakteren weiter zu machen oder ist da schon der Wunsch nach einer Fortsetzung?
Es kommt auf die Geschichte an. Meistens ist es schon so, dass ich mit dem jeweiligen Roman einen Abschluss finde und es da – für mich – nichts mehr zu erzählen gibt. Bei meinem zweiten Roman, Feenblut, war das noch anders. Da hatte ich lange eine Fortsetzung im Kopf, aber irgendwie war da doch immer der Gedanke: »Ich hab sie so gequält, sie haben ihre Ruhe verdient.« Und das denke ich wahrscheinlich auch heute noch bei allen. Ich schone meine Charaktere nicht und sie müssen viel erdulden, bis sie endlich ihr Abenteuer hinter sich haben. Und ich gönne es ihnen dann auch.
Insofern ist es dann leicht, weil ich schon während dem Schreiben die nächste Geschichte im Kopf habe und dann auch Lust darauf, diese Charaktere mit ihrem eigenen Leben zu erfüllen und sie aus dem Schatten treten zu lassen. Allerdings – im Schreibprozess selbst ist es oft schwierig, in diese neue Geschichte zu finden. Ich brauche oft so an die 100 Seiten, bis ich wirklich zuhause bin und aufgehört habe, die neuen Charaktere mit den alten zu vergleichen (was nie gut klappt, weil sie und ihre Geschichten anders sind). Also brauche ich da meine Zeit, bis ich ankomme und die neuen Protagonisten wirklich leben lassen kann.
Es ist also nicht das Loslassen – aber das Ankommen ist manchmal schwierig und braucht Zeit.

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Die wunderschönen Cover ihrer Bücher macht die Autorin übrigens selbst.

Als jemand, der gerade bei Feenblut sehr mit den Charakteren gelitten hat, bin ich dir sehr dankbar dafür, den beiden erstmal etwas“Ruhe“ zu gönnen. Kommen wir zu einer etwas anderen Frage: Wie sieht Deine Perfekte Schreib-Umgebung aus? Schreibtisch, Couch, Kritzelblock und Playlist, Laptop – ganz egal wo: wie arbeitest Du am liebsten?
Ich sitze tatsächlich meistens im Arbeitszimmer an meinem Schreibtisch. Glücklicherweise hat das einen schönen Balkon und einen sehr angenehmen Blick ins Grüne, obwohl es mitten in der Stadt ist. Manchmal schreibe ich auch gerne am Laptop – und das eben auch dem Sofa oder wo auch immer. Aber ich hab es gerne ruhig. Ich kann ganz schlecht mit Musik arbeiten – das lenkt mich ab und ich fange eher an, mitzuzappeln oder im Kopf mitzusingen, als mich wirklich zu konzentrieren. Eine ruhige Umgebung ist mir also wichtig – und eine Kaffeemaschine (wahlweise mit Keksen) in Reichweite.
Sonst brauche ich eigentlich nur meine Notizbücher für spontane Ideen, Gedankenfetzen, Dialoge, was auch immer – mittlerweile liegt überall eins, wo ich mich öfter aufhalte – und dann meinen Papyrus, mein Schreibprogramm. Darin habe ich eine sehr massive Sammlung von virtuellen Notizzetteln, in der ich mich manchmal selbst nicht mehr zurechtfinde. Naja, das hat ja auch was, wenn man ab und zu von sich selbst überrascht wird. 😉

Bei den Keksen bin ich mehr als bei dir – und ich finde es gerade sehr beruhigend, dass ich doch nicht die einzige Person auf diesem Planeten bin, die sich bei Musik eher schlecht konzentrieren kann. Aber zurück zu meiner nächsten Frage: Hast du schon einmal eine real existierende Person als Inspiration für einen Charakter genutzt?
Tatsächlich nie. Meine Charaktere sind alle reine Ausgeburten aus meinem Kopf. Ich klaue gelegentlich bei mir selbst eine Idee – ich hab früher recht intensiv Weltenbau betrieben und habe deswegen ein riesiges Arsenal an Charakteren und Schauplätzen, die ich manchmal aus einer Welt in eine andere entführe. Aber real existierende Personen hat es bei mir noch nie gegeben.

Da muss ich wohl beim nächsten Leseabend mal genau drauf achten, ob mir eine Person – vielleicht irgendwo im Hintergrund – schon aus einem anderen deiner Bücher bekannt vorkommt. 🙂 Zum Abschluss habe ich noch drei Fragen, die so gar nichts mit deinen Büchern zu tun haben. Den Anfang macht diese: Welche Superkraft hättest Du gern?
Ich könnte einen Klon von mir gebrauchen, der meine restlichen Ideen zu Papier bringt. Dann würde meine ellenlange To-Do Liste mit den ausstehenden Romanen auch mal schrumpfen. *lach*

Ohja, sich zumindest zeitweise zweiteilen zu können, wäre eine wirklich schöne Superkraft. Davon könnte ich auch Gebrauch machen…Wenn du mit einer historischen Persönlichkeit reden könntest – welche wäre das?
Ich habe eine ganz große Schwäche für die italienische Renaissance. Meine Wahl würde also auf jemanden wie Sandro Botticelli, Leonardo da Vinci oder Michelangelo fallen. Bei denen hätte ich gerne mal meine Nase in die Werkstätten gesteckt und gesehen, wie es wirklich gewesen ist. Die Forschung ist ja in vielen Dingen auf Vermutungen angewiesen und da wäre ich schon neugierig, wie die Realität ausgesehen hat.

Das klingt auf jeden Fall spannend – und auf was könntest Du in Deinem Leben nicht verzichten?
Oh, ganz klar – meine Familie.

Ein schöneres Schlusswort kann es fast gar nicht geben, finde ich. Vielen herzlichen Dank für deine Zeit und viel Erfolg und tolle Ideen für deine kommenden Werke.

Lies mehr Informationen über Michelle Natascha Weber auf ihrer Website oder lies dir meine Rezensionen zu den ersten drei Teilen der Nebellande-Reihe durch: Feenblut, Der Fluch des Drachen und Meister der Masken.

*Die Fotos der Autorin (1. Artikelbild) stammen von ihrer Website und unterliegen ihrem Copyright.

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