Im Gespräch mit Lena Kiefer

Vor einiger Zeit hatte ich das Vergnügen, Lena Kiefer einige Fragen stellen zu können. Der erste Teil ihrer „Ophelia Scale“-Reihe hat mich total begeistert zurück gelassen – trotz fiesen Cliffhanger am Ende. Nun erscheint in Kürze Teil zwei der Trilogie um die titelgebende Heldin in einer dystopischen Welt ohne Technik.
Doch schon kommenden Montag gibt es einen Gruß der Autorin, der die Wartezeit noch etwas versüßt. Darüber und über viele andere Dinge, habe ich mit der Autorin geplaudert.

Falls du Lena bisher noch nicht kennst, lege ich dir gern meine Rezension zum ersten Teil der Ophelia-Scale-Reihe ans Herz: Die Welt wird brennen. Viele weitere Informationen über die Autorin findest du auch auf ihrer Website. Dort findest du auch die Links zu ihren Social Media Kanälen.

Im Gespräch mit Lena Kiefer – der Autorin der Ophelia Scale Reihe

Liebe Lena, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Gespräch nimmst. Immerhin dürftest du gerade den Kopf voll haben: Am 26. August erscheint der zweite Teil von Ophelia Scale und damit die Wartezeit für uns nicht zu lang wird, veröffentlichst du zwischendurch noch ein eBook. Bereits nächste Woche Montag (am 8. Juli) wird es erscheinen. Darin nimmst du uns mit in die Zeit, als Ophelia mit gerade mal vierzehn Jahren den Widerstand kennen lernt. Inwiefern ist diese Geschichte wichtig für die Hauptstory?

In der Vorgeschichte bekommt man einen kleinen Einblick in Ophelias Welt, bevor sie zu der jungen Frau wurde, die man am Anfang von Band 1 der Reihe kennenlernt. Das E-Short zeigt also gewissermaßen, wie sie sich in den vier Jahren bei ReVerse verändert hat – und wie verloren und einsam sie war, nachdem die Abkehr ihr alles weggenommen hatte. Es ist also nicht im eigentlichen Sinne wichtig für das Verständnis der Hauptgeschichte, diese kleine Story zu lesen, aber für alle, die Ophelia mögen, ist es eine schöne Ergänzung.

Am Ende des ersten Teils tappen wir ja nach wie vor im Dunkeln: Wer ist der Gute und wer der Böse – was genau ist da eigentlich auf den letzten Seiten wirklich passiert – das sind Fragen, die uns auf ein schnelles Ende des Sommers hoffen lassen. Wie ging dir das beim Schreiben – wusstest du da von Anfang an, welche Seite die Gute sein wird?

Ja, das wusste ich von Beginn an. Ich bin ein Planungsfreak und auch wenn ich nicht alle Details einer Geschichte vor dem Schreiben kenne, weiß ich doch, wo die Reise hingeht. Es macht allerdings großen Spaß, den Leser in die Irre zu führen und ihn denken zu lassen, dies oder jenes wäre wahr oder gelogen. Vor allem, wenn ich dann die „Was zur Hölle soll ich jetzt glauben?“-Nachrichten bekomme. Da weiß ich, ich habe etwas richtig gemacht.

Autoreninterview: Im Gespräch mit Lena Kiefer | Buchrezensionen und Reviews auf vielleichtaberdoch.de
Lena Kiefer signiert eine Ausgabe von Ophelia Scale – Die Welt wird brennen auf der LBM 2019

Das ist ja schon ein kleines bisschen sadistisch. 😉 Aber gelungen ist dir das auf jeden Fall! Möchtest du verraten welchen Charakter der Reihe du am liebsten magst?

Ähem. Das kann ich eigentlich nicht verraten, ohne zu spoilern. Also sagen wir einfach, ein gewisser Charakter der Reihe hat mein Herz schon in den ersten fünf Minuten seiner Anwesenheit erobert und gibt es nicht mehr her. Außerdem bin ich ein großer Fan des Königs.

Oh, jetzt kommen mir sofort einige Charaktere in den Sinn, die bisher sehr mysteriös wirken und möglicherweise noch eine bedeutende Rolle spielen könnten…aber ich kann die Frage ja nochmal stellen, wenn alle Teile erschienen sind. Welcher Charakter hat dir denn beim Schreiben Probleme bereitet?

Eigentlich niemand, die sind alle ziemlich brav. Ich hatte allerdings im Vorfeld ein paar Probleme mit Ophelia, die mir erst zu tough und dann zu weich geriet, bis ich die richtige Mischung hatte. Hauptfiguren sind ein bisschen wie Kinder, schätze ich. Man liebt sie, aber manchmal gehen sie einem auch furchtbar auf die Nerven.

Vor allem bist du als Erschafferin deiner Charaktere mit denen, die viel Raum bekommen, natürlich auch besonders kritisch, verbringst viel Zeit mit ihnen und so. Ich kann mir das mit dem „auf die Nerven gehen“ daher richtig gut vorstellen. Basieren die Charaktere aus Ophelia Scale eigentlich auf real existierenden Personen?

Man kann eigene Erfahrungen nie raushalten, ich auch nicht. Daher haben einige Charaktere natürlich Eigenschaften, die ich an Menschen mag oder auch nicht. Es gibt aber nicht die eine Figur, die auf irgendjemandem basiert, den ich kenne. Das wäre mir auch zu unflexibel: Charaktere müssen bestimmte Rollen ausfüllen und zur Geschichte und zum Rest des „Casts“ passen, deswegen könnte ich gar keine realen Personen verwenden. Es wäre zudem langweilig. Das Schöne am Schreiben ist ja, dass man in fremde Welten und fremde Köpfe eintaucht – und das Gewohnte verlässt.

Noch eine letzte Frage zu Ophelia Scale, ehe wir das Thema etwas wechseln. Es gibt diese Szene, in der essen Ophelia und Lucien gemeinsam Burger. Als jemand, die für einen Burger nahezu alles tun würde, ist diese Frage die vielleicht wichtigste: Ist das ein Insider, einfach ein Moment, der zum Lachen bringen sollte oder steckt da am Ende noch etwas viel tieferes dahinter?

Nein, das ist kein Insider. Es ist einfach die Szene einer Autorin, die für einen Burger nahezu alles tun würde.

Schön, dass wir uns da so einig sind, was die Burger angeht. Mit Ophelia Scale ist dir ja gleich ein ziemlich guter Wurf gelungen, das schaffen ja nicht viele Autor*innen auf Anhiebt. Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Schon als Kind habe ich gerne Geschichten erfunden, aber zum Schreiben bin ich erst gekommen, als ich schon erwachsen war. Es fing an mit geschriebenem Foren-RPG, also dem Fortführen einer Story aus der Sicht verschiedener Charaktere, geschrieben von verschiedenen Leuten. Irgendwann hat mein Mann (damals noch Freund) davon etwas gelesen und meinte, ich solle doch mal „etwas Richtiges“ schreiben. Ich höre eigentlich viel zu selten auf ihn, aber da habe ich es getan. So hat das mit den Büchern angefangen.

Und wenn du nicht Autorin geworden wärst – was hättest du dann vielleicht gemacht?

Ich habe Germanistik und Bildungswissenschaften studiert, also wahrscheinlich irgendetwas in dem Bereich. Da ich vor meinem Vollzeit-Autorendasein als Redakteurin im Marketing gearbeitet habe, ist es möglich, dass ich dort geblieben wäre, obwohl ich glaube, dass es sehr viel bessere Werbetexter gibt als mich. Also ist es gut, dass es so ist, wie es ist.

Autoreninterview: Im Gespräch mit Lena Kiefer | Buchrezensionen und Reviews auf vielleichtaberdoch.de
Zur LBM 2019 habe ich Lena Kiefer nach ihrer Lesung persönlich getroffen.

Auf welche Art von Buch dürfen wir uns in Zukunft noch von dir freuen?

Vorerst bleibe ich dem YA-Genre treu. Nach den drei Bänden Ophelia in diesem Jahr wird es vermutlich nächstes Jahr eine neue Trilogie von mir geben – keine Dystopie diesmal, sondern Fantasy, allerdings in unserer Welt und unserer Zeit. Und jede Menge Ideen für neue Projekte habe ich auch schon im Kopf.

Zum Abschluss habe ich noch ein paar ganz andere Fragen mitgebracht. Die erste – nicht lachen – ist: Wenn du eine Superkraft haben könntest, auf welche fiele deine Wahl?

Das ist eine schwierige Frage. Wahrscheinlich wäre es etwas Mentales – zum Beispiel die Beeinflussung von Gefühlen. Nicht, um jemanden für meine Zwecke zu benutzen, sondern vor allem, um dafür zu sorgen, dass sich Menschen besser fühlen. Wenn jemand traurig oder verzweifelt ist, dann gibt es nicht viel, was man von außen für ihn tun kann. Das ist für mich, die gerne alles regelt, sehr schwer zu ertragen.

Bist du eher der Tee- oder Kaffeetrinker?

Tatsächlich keines von beidem. Kaffee ist mir zu bitter und Tee trinke ich nur, wenn ich krank bin. Auf die Gefahr hin, wie der langweiligste Mensch auf Erde zu wirken: Ich trinke eigentlich die meiste Zeit des Tages Wasser. Aber mit Kohlensäure!

Stell dir vor, du könntest mit einer historischen Persönlichkeit sprechen. Kein kurzes „Nachbarn am Briefkasten-Treffen“, sondern zu einem Stück Kuchen und einem Glas Mineralwasser in einem netten Café oder auf einer Parkbank am See. Wen würdest du treffen?

Auf jeden Fall Goethe. Ich bin im Studium zum Goethe-Fan mutiert und würde liebend gerne mal mit ihm über das Schreiben reden. Außerdem könnte ich so vielen geplagten Schülern endlich die Frage beantworten „Was wollte uns Goethe mit diesem Gedicht sagen?“.

Generationen von Schüler*innen würden dir wohl auf ewig dankbar sein! Kommen wir noch zur abschließenden Frage: Auf was könntest Du in Deinem Leben nicht verzichten?

Neben den naheliegenden Dingen tatsächlich auf das Schreiben. Es ist keine Sucht, aber es gehört zu mir wie ein Körperteil. Wenn ich aus irgendwelchen Gründen mal zwei oder drei Wochen nicht schreibe (weil ich überarbeiten muss oder Urlaub habe oder so etwas), dann fehlt mir bald etwas.

Ein sehr schönes und sehr passendes Schlusswort. Vielen Dank Lena, dass du dir die Zeit für das Gespräch genommen hast. Vielen Dank auch an Sonja vom cbj-Verlag, die das Gespräch mit Lena Kiefer organisiert hat.
Zusammen mit dem eBook, welches bereits in drei Tagen erscheint und kostenlos verfügbar sein wird, kann das Gespräch vielleicht auch die Wartezeit bis zum 26. August verkürzen. Dann erscheint Ophelia Scale: DER HIMMEL WIRD BEBEN im Handel.

Bis dahin kannst du dir zum Beispiel meine Rezension zum ersten Teil der Reihe durchlesen. Und wenn du magst, kannst du die Wartezeit bis Teil zwei auch mit der passenden Spotify-Playlist verkürzen, die Lena für das Buch angelegt hat.

Autoreninterview: Im Gespräch mit Lena Kiefer | Buchrezensionen und Reviews auf vielleichtaberdoch.de

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