Im Gespräch mit Kira Licht

Auf der Frankfurter Buchmesse hatte ich die Gelegenheit, mit Kira Licht zu sprechen. Die Autorin ist unter anderem für ihre Dilogie „Gold und Schatten“ und „Staub und Flammen“ bekannt, in der sie ihr Protagonistin Livia mit den Pariser Katakomben und der griechischen Mythologie konfrontiert.

Kira Licht, die in Japan und Deutschland aufgewachsen ist, ist ein reiselustiger Mensch. Gerade ihre Liebe zu Paris, ist während unseres Gespräches mehrmals deutlich geworden. Denn natürlich war die Autorin für ihre Recherchen auch vor Ort – sogar die zündende Idee für die Geschichte kam ihr in Paris, während eines Spaziergangs in den Katakomben. Wer ihre Dilogie nun (nochmal) lesen will, kann sie also auch guten Gewissens als Reiseführer für eine der schönsten Städte Europas nutzen.

Liebe Kira, da ich selbst ein fast schon wahnsinniger Fan von Paris bin, gleich diese Frage zu Beginn: woher kommt deine Faszination für diese Stadt?
Ich habe eine ganz generelle Faszination für Paris. Meine Eltern sind auch früher schon oft nach Paris gefahren und es geht das Gerücht um, dass sie mich von einer solchen Reise “mitgebracht” haben. Vor allem aber ist es die Architektur, die ist einfach der Wahnsinn. Ich liebe den Louvre, aber auch diese Kombination aus Gewachsenem und der Architektur. Ich steige in Paris aus dem Thalys (Anm.: ein Hochgeschwindigkeitszug, der auf der Technik des französischen TGV basiert) und habe das Gefühl, dass ich angekommen bin.

Mit welchem Charakter aus der Dilogie kannst du dich am ehesten identifizieren?
Grundsätzlich bin ich ja Team Maél: Als Love Interest ist er einfach am differenziertesten ausgearbeitet. Aber auch Hermes mag ich sehr. Wenn es um Ähnlichkeiten geht, fällt meine Wahl jedoch auf Livia. Livia ist ja jemand, die sehr an ihrer Familie hängt, bei der die Familie einen sehr hohen Stellenwert hat. Und das ist bei mir definitiv auch so. Außerdem steht sie sehr für ihre Überzeugungen ein, was auch bei mir so ist. Und ich kann wirklich überhaupt keine Ungerechtigkeit ertragen, so wie Lidia im zweiten Teil, als sie Maél verteidigt. Abgesehen davon, bindet sie ihr Herz ganz an jemanden. Sei es bei Evangeline oder eben bei Mael – diese Treue und Loyalität zeichnen sie aus und so sehe auch ich mich.

Ihr seid euch also in den Werten sehr ähnlich – du hast also vielleicht auch so einen schönen Schlafanzug wie Livia?
Ja! Ich habe auch so einen schönen Schlafanzug von Harry Potter. An diesen Stellen schreibe ich tatsächlich aus ganz persönlicher Erfahrung, bzw. da schreibt das Fangirl in mir. Übrigens kein Häuserschlafanzug, weil ich da nicht festgelegt bin: Ich wäre am liebsten Slytherin, aber vom Typ her denke ich, dass ich vermutlich eine Gryffindor wäre.

Dafür dann aber mit Eule oder…
Ich habe tatsächlich ein ganz lustiges Haustier. Sie ist ein Pekinese, aber sie ist wirklich winzig und Freunde von mir behaupten auch, sie müsse irgendeine außerirdische Lebensform sein, die bei mir mal in der Kanalisation aufgetaucht ist. Sie ist so winzig, mit riesigen Glubschaugen und ohne Nase. Dazu dann die süßen Quietschgeräusche und sie kann Essen im Sekundentakt verschwinden lassen – sie ist auf jeden Fall eine magische Kreatur.

Würdest du sagen, dass die Geschichte von einigen Charakteren noch größer ist, als die Bücher gezeigt haben? Bei wem hast du noch viele Gedanken, die du gern noch verschriftlichen würdest?
Gerade in Band zwei fällt mir da sofort Erebos ein, ein sehr interessanter Charakter, der leider nur wenig Platz bekommen hat. Das lag daran, dass ich bereits zu dem Zeitpunkt über sämtliche Seitenvorgaben drüber geschossen bin. Es wird ja auch immer diskutiert auf seiten der LeserInnen, ob es einen dritten Teil geben wird. Wenn dann auf jeden Fall mit Erebos.

Und wenn du jetzt ganz spontan entscheiden müsstest, in einem theoretischen dritten Teil weiterhin Livia und Maél in den Fokus zu rücken oder einen der anderen Charaktere?
Also die Gang an sich müsste schon im Fokus bleiben, weil das für mich auch diejenigen sind, die “Gold und Schatten” sind. Aber die Gang wächst ja auch weiter und so haben wir drumherum interessante, schillernde Persönlichkeiten, die die ganzen Begegnungen mit Leben erfüllen.

Im Gespräch mit Kira Licht, der Autorin von Gold und Schatten

…dann wäre es auch denkbar, dass es im dritten Teil mit Enko weitergeht?
Auf jeden Fall! Ich habe so viele Nachrichten bekommen, in denen ich gefragt wurde “Und was ist mit Enko – kriegt der jetzt keine Freundin oder was?”, das fand ich einfach super. Er ist ja doch ein Charakter, der sehr stark polarisiert, der nicht unbedingt ein Sympathieträger ist. Es sei denn natürlich man steht auf blonde Rockstars, dann kommt immer #TeamEnko.

Wenn Du Input oder Inspiration für deine Bücher brauchst, an wen wendest Du dich?
Ich bin da eher Eigenbrötler. Ich spreche viel mit meiner Agentin und dann mit dem Verlag. Ich habe ein sehr enges Verhältnis mit meiner Lektorin und der Programmleitung, da frage ich dann. Mein Mann ist ja Physiker und lebt mehr in Zahlen und Fakten. Der steht im Buchladen dann eher hilflos vor den Büchern, die ich gern lese. Aber das funktioniert trotzdem gut. Mein Vater ist auch Naturwissenschaftler und meine Mutter begeisterte Belletristikleserin. Dementsprechend bin ich guter Hoffnung, dass das bei uns auch so gut klappt.

Hast du das Gefühl, dass du noch Zeit und Muße zum Lesen hast oder bist du durchs Schreiben ausgelastet?
2019 mit vier selbst geschriebenen Büchern war natürlich hart. Mein SUB liegt gerade bei 40 Büchern. Ich versuche trotzdem, so gut es geht, immer ein wenig zu lesen. Da lese ich dann aber immer zuerst die Bücher von Kolleginnen. Momentan ist aber wieder etwas mehr Zeit, da habe ich Zeit zum Durchatmen und zum Lesen. Das passt auch gut in die Vorweihnachtszeit. Ich bin mit Lesen aufgewachsen, meine Eltern lesen beide sehr viel – wir sind eine Bücherfamilie. Auch meine beiden Neffen sind absolut “into books”. Ich finde das auch wichtig, dass man das Lesen weitergibt an die nächste Generation, weil man beim Lesen seine eigene Welt bauen kann. Das ist vor allem für Kinder so wichtig.

Das bedeutet, dass wir auch in Zukunft können vor allem Fantasy von dir erwarten können?
Wichtig ist für mich vor allem, dass man auch eine Geschichte hat, die man erzählen möchte. Ich will nicht nur schreiben, um irgendwas zu schreiben. Ich denke aber, dass ich für viele andere Genres eher talentfrei bin. Ich tue mich schwer mit Gewalt, Brutalität oder Psychospielchen. Dafür muss man Talent haben, es soll schließlich auch raffiniert wirken. Ich bleibe da lieber bei Jugendbuch-Fantasy. Alles weitere wird man sehen, vielleicht probiere ich in der Zukunft auch nochmal was Neues aus.

Wie sieht deine Schreibumgebung aus? Was gehört für dich zum Schreiben?
Ich lebe sehr minimalistisch und so sieht auch mein Arbeitsplatz aus: ein Schreibtisch und zwei Bildschirme. Ich brauche eine fokussierte Umgebung, im Café zu schreiben ist für mich eher schwierig. Da bin ich zu sehr abgelenkt.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Kira! Und vielen Dank an Anna Fohs vom One-Verlag für die Organisation.
Den zweiten Teil dieses Doppelinterviews findest du übrigens ab dem 7.12. bei Missi.

Im Gespräch mit Kira Licht, der Autorin von Gold und Schatten

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