Im Gespräch mit Kim Nina Ocker

Kim Nina Ocker hat bereits einige Bücher veröffentlicht. Erst kürzlich erschien ihr Roman »Everything I Didn’t Say« im LYX-Verlag und schon am 28.02.2020, erscheint der Folgeband »Everything I Ever Needed«. Ich hatte die Gelegenheit, mit der Autorin über das Schreiben, ihre Bücher und die darin handelnden Personen in der gemütlichen LYX-Lounge am Verlagsstand auf der Frankfurter Buchmesse 2019 zu sprechen.

Neun Bücher sind bereits von Kim Nina Ocker erschienen, ihren ersten Roman veröffentlichte sie bereits mit nur 21 Jahren. Zwischen New Adult, Fantasy und Jugendbüchern, ist auch bereits eine zweiteilige Dystopie-Reihe von ihr erschienen. Offiziell ist ihr neuster Roman zur FBM 2019 noch gar nicht erschienen, doch zur Signierstunde am Verlagsstand von LYX ist er bereits erhältlich. Auch ich hatte die Möglichkeit, schon vorab in »Everything I Didn’t Say« hinein zu lesen und so konnten wir in unserem Gespräch auch über den Roman sprechen.

Spoiler-Hinweis: Das folgende Gespräch enthält Inhalte zu Kim Nina Ockers Roman »Everything I Didn’t Say«.

Im Gespräch mit Kim Nina Ocker

Wie bist du auf die Idee für »Everything I Didn’t Say« gekommen und wie viel Zeit ist vergangen, seit diesem Moment bis zum fertigen Buch?
Es gibt da eine Geschichte zu dem Buch und ich bin immer froh, wenn ich die erzählen kann. Es steckt sehr viel von mir selbst in der Geschichte. Nicht, was die Berufe der ProtagonistInnen angeht. Es ist eher so, dass ich einen Teil meines Lebens gern in Romanform verarbeiten wollte, gerade auch, weil ich das Thema anderen Büchern nicht so abgekauft habe. Ich bin selbst mit 19 Jahren schwanger geworden – von meinem damaligen Chef, bei dem ich ein Praktikum gemacht habe. Das war damals sehr schwierig, auch wenn es für mich gut ausgegangen ist: Wir haben inzwischen geheiratet und auch zwei Kinder zusammen.

Und doch war es immer so, dass wenn ich andere Bücher gelesen habe, ich das ganze Kinder-Schwangerschaftsthema einfach unrealistisch fand – und das hat mich unheimlich gestört. Und da dachte ich mir irgendwann, ich möchte das selbst machen. Ich möchte die Gedanken aufschreiben, die man hat, wenn man diesen Test in der Hand hält und es einfach nicht ins Leben passt. Ich wollte zeigen, dass es eben nicht total toll ist, von jemandem schwanger zu sein, den man kaum kennt und wie selbstverständlich alles gut läuft, sondern, dass es erstmal ein echtes Problem ist. Und das es sowohl okay ist, dass es ein Problem ist, als auch auszusprechen, dass es ein Problem ist und es erstmal so nicht ins Leben passt.

Ich fand es auf jeden Fall sehr spannend, wie sich die Story aufbaut. Am Anfang gibt es diese Sprünge zwischen den beiden Zeitlinien und da ist zwar klar, dass da etwas ist, etwas passiert sein muss, aber erstmal tappen die Lesenden da komplett im Dunkeln. Gleichzeitig steht natürlich die Vermutung im Raum, was eben auch damit einhergeht, dass ich als Leserin die Figuren und deren Handlung gleich nochmal anders hinterfrage. Dramaturgisch echt schön gelöst, aber vermutlich beim Schreiben gar nicht so leicht. 
Es war auch echt schwierig! Ich bin nämlich sonst so gar kein Fan davon, die Gedankenwelt zu zensieren. Immer wenn du auf einen solchen Plot Twist hinschreibst, du aber gleichzeitig die Gedanken mit im Spiel hast, ist es ja eigentlich unrealistisch, wenn der Protagonist nie an den Plot Twist denkt. Deswegen musste ich in diesen Zukunftsteilen möglichst wenige Gedankengänge einbauen. Immerhin soll da auch nicht ständig stehen „Oh, da ist ja diese Sache“, denn das wäre ja noch unrealistischer.

Und gleichzeitig sorgt die Neugierde ja auch dafür, dass ich als Leserin immer weiter lesen muss, damit ich erfahre, ob ich nun mit meiner Vermutung richtig liege. Das und natürlich die Charaktere selbst haben schon so einen Sog-Effekt in deinem Buch. Wann standen denn die Charaktere, so, wie sie jetzt auch im Buch sind? 
Grundsätzlich entstehen meine Figuren im Detail immer erst nach den ersten drei Kapiteln. Bis dahin habe ich natürlich eine grobe Idee, weiß aber zum Beispiel nicht, wie sie aussehen. Darüber mache ich mir am Anfang gar keine Gedanken, egal ob Haarlänge, Haarfarbe, alles das kommt erst viel später. Generell mache ich mir wenig Gedanken über das Aussehen der Charaktere. Ich mache mir dafür dann Pinterest-Boards, damit ich mich immer erinnere, wie sie aussehen, denn das ist für mich gar nicht so wichtig. Ich fokussiere mich mehr auf Dinge, wie zum Beispiel: sie fährt gern Skateboard oder sie liest gern. Aber auch das ändere ich selbst mit vorherigem Durchplotten einer Geschichte nach den ersten Kapiteln oft nochmal.

„Ich mache immer Moodboards zu meinen Ideen.“

Der Titel deines Buches taucht ja anders als bei vielen Büchern in der Geschichte sogar wortwörtlich so auf, spielt dabei sogar eine sehr wichtige Rolle. Wie ist das zustande gekommen? Gab es diesen Moment in der Handlung und ihr dachtet euch dann: Hey, wäre auch ein toller Titel?
Tatsächlich kam der sehr direkt. Ich mache immer Moodboards zu meinen Ideen und packe da unterschiedliche Bilder rein, um damit die Stimmung vom Buch einzufangen. Und dass er am Ende Briefe oder E-Mails schreibt, wusste ich von Anfang an, daher war eines der Bilder auf dem Board auch ein Briefumschlag, auf dem stand „Everything I didn’t say“. Der Titel hat es also von der ersten Ideenliste bis aufs Cover geschafft.

Im Gespräch mit Kim Nina Ocker - Autorin von "Everything I didn't say" im LYX-Verlag.

Gerade diese Briefe fand ich auch sehr schön. Weil sie ihm als Charakter auch nochmal eine Tiefe geben, von der ich als Leserin zwischendrin manchmal dachte, dass ich die vielleicht nur hineininterpretiere, aber nein: Die ist tatsächlich da. Und das macht deine Charaktere enorm liebenswert.
Diese E-Mails sind mir vor allem so wichtig, weil sie ehrlich sind. Auch in seinen Nachrichten steht nicht einfach nur ein „Ich liebe dich und ich bin so froh, dass es dich gibt“. Es ist auch hier das ehrliche „Ich weiß gar nicht, ob ich will, dass es dich gibt. Und ob ich dich lieben kann.“, das eine enorme Rolle spielt, weil es so selten laut gedacht wird. Dabei ist es okay, zu strugglen, denn der Kopf muss ja erstmal begreifen, was da passiert und mir war es wichtig, dass genau das auch im Buch deutlich wird, damit es authentisch ist, denn ich finde einfach, dass wir aus der Zeit raus sind, in der wir für solche Entscheidungen verurteilt werden können.

Apropos Authentizität, ein kleiner Fun Fact: Jede Antwort, die Lila im Buch gibt, stammt genauso von meiner Tochter. Ich habe ihr alle Fragen, die im Buch an Lila gerichtet werden, meiner Tochter zugerufen und ihre Antwort kam dann ins Buch.

„Meine Lektorin wollte dieses Gespräch. Ich hatte das gar nicht vorgesehen.“

Am Ende des Buches, bricht Jamie zu einem klärenden Gespräch mit einer Figur auf, die ihr ziemlich wichtig ist und die sie aber im Laufe der Geschichte hintergangen hat. Das Gespräch selbst hast du dann nicht mehr geschrieben und gibst den Lesenden damit ein Stück weit die Möglichkeit, selbst zu überlegen, wie das Gespräch laufen könnte – wie sie es auch selbst führen würden. Ich musste da wirklich lange drüber nachdenken, denn da ist diese Freundschaft auf der einen Seite, der Verrat auf der anderen. Wie hast du dir den Ausgang dieses Gespräches vorgestellt?
Dazu muss ich gleich vorweg sagen: Meine Lektorin wollte dieses Gespräch. Ich hatte das gar nicht vorgesehen. Aber mein Gefühl sagt, dass Jamie ihr nicht verzeihen wird. Mein Gefühl ist auch, dass die beiden auch nur noch miteinander befreundet sind, weil sie es mal waren – im Prinzip also aus Anstand. Denn eigentlich haben die beiden nichts mehr miteinander gemein. Wenn ich also Gelegenheit bekäme, würde ich Jamie eher andere, neue Freunde schreiben. Aber Mel war auch wirklich nie so richtig meine Freundin – obwohl ich in Leserunden auch schon TeilnehmerInnen hatte, die sie geliebt haben.

Welche Genres liest du am liebsten? 
Ich lese ja viel New Adult und Fantasy und ich liebe Karen Rose, obwohl ich Thriller und Krimis eigentlich gar nicht gern lese. Und ich gebe zu: Ich lese wahnsinnig gern diese Schundroman-Schnulzen. Da wiederholt sich natürlich ständig alles, aber ich gehe da richtig drin auf. Und ich muss immer das lesen, was ich selbst gerade schreibe. Also wenn ich New Adult schreibe, kann ich parallel kein Fantasy lesen, weil ich sonst sofort Fantasy schreiben will – und umgekehrt.

Apropos: Wie sieht das aus, wenn du schreibst – brauchst du eine bestimmte Schreibumgebung oder Tools, die du am liebsten verwendest?
Da bin ich ganz einfach. Es ist nicht so, dass ich bestimmte Musik oder im Gegensatz dazu komplette Ruhe zum Schreiben brauche. Ich schreibe auch mit Baby in der Trage und meiner Lego spielenden Kleinen im Hintergrund, während mein Mann staubsaugt und unser Hund springt auch noch umher. Das funktioniert alles. Wobei ich schon in der Regel mit Musik schreibe. Oh und Kaffee.

„Dexter ist übrigens der erste Bad Boy, den ich bisher geschrieben habe.“

In Kürze, am 28. Februar 2020, erscheint bereits der Folgeband »Everything I Ever Needed«. Was kannst du uns zum Buch schon verraten?
Es wird um Dexter gehen aber wie auch schon im ersten Teil verrät der Klappentext auch wieder nur einen kleinen Teil der tatsächlichen Handlung. Deshalb ist gerade auch sehr schwer, etwas zum Buch zu sagen, ohne einfach den Klappentext wiederzugeben oder aber zu viel zu verraten. Aber Dexter ist ein toller Charakter, ich mag ihn gern. Er ist übrigens auch der erste Bad Boy, den ich bisher geschrieben habe.

Hast du zum Abschluss noch ein paar Messetipps? Was machst du, um den Messetrubel gut zu überstehen?
Oh Gott! Gute Schuhe auf jeden Fall, sowie eine gute Tasche. Und vorher schauen, wo Toiletten sind, die nicht so überlaufen sind. Außerdem schaue ich auch vorher immer schon, wo ich überall hin möchte, denn gerade am Wochenende ist das so ein Drüberschlendern einfach nicht mehr möglich.

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Kim! Und vielen Dank an Simone vom LYX-Verlag für die Organisation.

Im Gespräch mit Kim Nina Ocker - Autorin von "Everything I didn't say" im LYX-Verlag.

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