Freundinnen (Eine Kulturgeschichte) – Marilyn Yalom

Gemeinsam mit Theresa Donovan Brown hat Marilyn Yalom eine Kulturgeschichte der Frauenfreundschaften verfasst. Fundiert und gleichzeitig unterhaltsam bringen die beiden Koryphäen ein spannendes und viel zu wenig beachtetes Thema auf den Tisch.
So viel vorweg: Dieses Buch ist eines meiner absoluten Jahreshighlights im Bereich Non-Fiction.

Marilyn Yalom, Senior Scholar am Clayman Institute for Gender Research an der Stanford University hat sich gemeinsam mit der preisgekrönten Autorin zum Thema Freundinnen, Theresa Donovan Brown, zusammengetan und dieses Abriss der frauenfreundschaftlichen Kulturgeschichte geschrieben. Bereits die Einleitung stellt eine gelungene Zusammenfassung dessen dar, was auf den nächsten 350 Seiten zu erwarten ist.

Klappentext von „Freundinnen – Eine Kulturgeschichte“

In der heutigen westlichen Welt gilt Freundschaft unter Frauen als Selbstverständlichkeit. Doch ein Blick zurück zeigt: noch vor einigen Jahrhunderten waren »Freundinnen« so gut wie unbekannt, Freundschaften unter Frauen waren verpönt.
Anhand zahlreicher Quellen werfen Marilyn Yalom und ihre Co-Autorin Theresa Donovan Brown einen höchst informativen und unterhaltsamen Blick auf die Entwicklung und das Verständnis von Frauenfreundschaft im Wandel der Zeit: von der Bibel und den Römern bis zur Aufklärung, von der Frauenbewegung der 60er- Jahre bis zu Sex and the City.
(Quelle)

Fesselnde Tiefe und eine Reise durch die Zeit

Freundschaft ist etwas wunderbares. Oder, wie die beiden Autorinnen auch schon in der Einleitung schreiben: Die Liebe, als oft gefeierte wichtigste Form der zwischenmenschlichen Beziehungen, ist eigentlich eine ganz besondere Form der Freundschaft. Warum gibt es also so viele Bücher über die Liebe, aber so wenig gute Bücher über Freundschaften? Sie ist breiter betrachtet, eigentlich die wichtigste Sache im Leben. Egal, ob es die alten Kinderfreundschaften sind, die – sofern sie bestehen bleiben – immer einen ganz besonderen Platz in unseren Herzen haben, Freundschaften aus schweren Zeiten, die Bekannten, die langsam und oft unbemerkt zu guten Freunden werden oder schlichtweg die Beziehung zwischen Mutter und Tochter, die sich mit der Zeit verändert.
Und obwohl das so ist, wird das Thema allgemein viel zu selten in den Mittelpunkt gestellt, dabei sind gerade auch Freundschaften zwischen Frauen ein sehr vielschichtiges und interessantes Thema. „Freundinnen“ nimmt sich dieses Themas nun an und macht das auf eine für ein Sachbuch sehr spannende Art.

Theresa Donovan Brown und Marilyn Yalom - Freundinnen - Eine Kulturgeschichte - Buchrezensionen und Reviews auf vielleichtaberdoch.de

Marilyn Yalow und Theresa Donovan Brown haben ihre Recherchen vielfältig vorgenommen und unterlegen ihre Geschichten mit zahlreichen Quellen. Sei es zu Beginn der Geschichte dieses Buches, in einer Antike, in der die Öffentlichkeit und damit auch jegliches Freundschaftsgefühl absolut männlich geprägt waren – oder mit dem 12. Jahrhundert, in dem sich das langsam zu wandeln begann. Es war niemand geringeres als William Shakespeare, der das Thema der Frauenfreundschaft in der Dichtkunst adaptierte. Und schließlich die ersten bekannten Autorinnen, die begannen, Die Welt und das Konstrukt Freundschaft aus ihrer Sicht zu schildern.

Von der romantischen Freundschaft und Frauengruppen

Ein Hauptaugenmerk liegt dabei auch auf den romantischen Frauenfreundschaften. Sei es zwischen Hildegard von Bingen und der Nonne Richardis von Stade oder in den erhaltenen Briefen George Sand oder Charlotte Bronté – der enge Gedankenaustausch und die äußerlichen Einflüsse der Gesellschaft ließen in vielen Freundschaften zwischen Frauen auch romantische Funken von zum Teil überragender Intensität überspringen. Dabei waren es nicht nur die wenigen Frauen, die privilegiert genug waren, eine gute Bildung zu genießen und ein Werk zu hinterlassen. Auch zwischen denen, die ein gemeinsames Engagement verfolgten, zum Beispiel die verschiedenen Frauengruppen, die für soziale Projekte und eine bessere Welt eintraten, kam es zu starken Freundschaften.

In allen Bereichen besticht das Buch durch eine schwer zu beschreibende Tiefe, die dem Buch Macht und Spannung verleiht. Dies erreichen die beiden Autorinnen auch durch ihre weltweiten Beispiele, die das Konstrukt von allen Seiten beleuchten.

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Eine Reise bis in die heutige Zeit

Die Autorinnen behandeln das Thema bis in die heutige Zeit, in der der Wandel womöglich immer rasanter vonstatten geht. Filme und Serien, aber auch Social Networks verändern unsere Wahrnehmung und bieten gleichzeitig neue Möglichkeiten, Freundschaften noch diverser und über größere räumliche Trennungen zu führen.

Wie wichtig das Thema Freundschaft dabei für jede einzelne Frau ist, macht jede Seite und jedes Beispiel für sich deutlich. Nur um am Ende dann ein faszinierendes Ganzes zu zeigen.
Was mich dabei am meisten fasziniert hat, ist die Sichtweise und Relativierung der oft als „Stutenbissigkeit“ bezeichneten Rivalität zwischen Frauen – sei es auf mittelalterlichen Burgen, in den Haushalten des 19. Jahrhunderts oder der heutigen Zeit. Viel mehr wird gezeigt, mit welchen Verlusten Frauen schon immer zu kämpfen hatten, da es z. B. der Regelfall war, dass sie ihr eigenes soziales Gefüge verlassen mussten, wenn sie heirateten und so weiter.

Fazit: Ich habe jede Seite dieses Buches geliebt und danke den beiden Autorinnen für dieses wunderbare, solide recherchiere Buch. Als eines meiner Jahreshighlights empfehle ich es jeder Frau, es einer Freundin zum Geschenk zu machen.

Buchrezension Bewertung

Bibliographische Angaben

Titel: Freundinnen – Eine Kulturgeschichte
Autorinnen: Marilyn Yalom, Theresa Donovan Brown
Originalsprache: englisch; „The Social Sex: A History of Female Friendship“
gelesen auf: deutsch
Version: Taschenbuch
Verlag: btb Verlag (14. Januar 2019)
ASIN: B01MRUEF2K
ISBN: 978-3442717613
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 416 Seiten
Preis: 12,00€ (TB), 16,90€ (gebunden), 11,99€ (eBook)

* Das Rezensionsexemplar von Freundinnen – Eine Kulturgeschichte wurde mir freundlicherweise von der Verlagsgruppe Randomhouse kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung jedoch nicht beeinflusst.

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