Der Oktobermann – Ben Aaronovitch

In dieser Geschichte fließen Die Flüsse von London“ von Ben Aaronovitch nach Deutschland. Im schönen Weinanbaugebiet, genauer gesagt am Ufer der Mosel, verrichtet Tobi Winter, seines Zeichens Polizist und genau wie Peter Grant nebenbei noch Zauberlehrling, seinen Dienst.

Eine Geschichte in der Hochburg des deutschen Weines und das im Oktober – das klingt erstmal ziemlich gut. Wenn dann noch Magie dabei ist, umso besser. Verwirrt war ich dennoch ob der Wahl des Handlungsortes: In seinen Flüsse-von-London-Romanen, schickt Ben Aaronovitch seinen Helden nämlich selten außerhalb der Stadtgrenzen Londons. Und wenn doch, so wie in Fingerhutsommer geschehen, kann die Handlung nicht ganz so überzeugen. Warum also ermittelt Tobi Winter, der Zauberlehrling des Bundeskriminalamtes, statt in Berlin, München oder Hamburg an der Mosel?

Jahrhunderte alte Flussrätsel und magische Kriegsnachwehen

Die Erzählperspektive aus der Sicht von Tobias Winter, macht es dann aber sehr leicht, in die Geschichte zu kommen. Es werden hier und dort eine Menge Klischees erfüllt, wie sie auf dem ersten Blick nur ein britischer Autor liefern kann, aber wenn wir einmal ganz ehrlich sind: zu viele sind auch einfach wahr.
Tobi selbst sinniert auch oft über sein Gegenstück bei der Metropolitan Police in London und zeigt sich enttäuscht, dass Peter Grant nichts von seiner Existenz ahnt – ein ganz großes Potenzial für gemeinsame Missionen sehe ich da. ♥

Ansonsten klärt die Kurzgeschichte vor allem über viele Dinge auf, die wir bereits aus der Londoner Perspektive kennen: Auch hierzulande gibt es Flussgeister und auch diese sind den Magierinnen und Magiern nicht gerade wohlgesonnen. Für die deutschen Flussgeister trifft das aber auch aus einem anderen Grund zu: Wir erfahren nämlich endlich mehr über die Machenschaften deutscher Magier während der Zeit des Dritten Reiches.

„Also ging ich zum Bundeskriminalamt
und landete dort bei der Abteilung KDA, weil mir nicht schnell genug
eine Ausrede einfiel und weil die Chefin manchmal einen Sinn für Humor
wie die Knusperhexe hat.“
TOBI WINTER, DER OKTOBERMANN

Kurz und unterhaltam – Lust auf mehr

Ähnlich wie schon die Story Geister auf der Metrpolitan Line, ist dieses Buch nur eine recht kurze Story. Dennoch finde ich die Handlung sehr ausgefeilt und es bleibt einiges zu knobeln, ehe Tobi mit unerwarteter Unterstützung seiner magiebegeisterten Kollegin Vanessa das uralte Rätsel um Trier löst.
Vor allem macht die Story aber eines: nämlich Lust auf mehr. Daher hoffe ich sehr, dass dies mehr als nur ein kurzer Exkurs in Sachen Internationaler Zaubererpolitik ist und wir in naher Zukunft noch mehr über Tobi und die Abteilung für komplexe und diffuse Angelegenheiten des BKA lesen werden.

Der Oktobermann - Peter Grant / Tobi Winter 8 (Ben Aaronovitch) - Die Flüsse von London im dtv-Verlag. Buchrezensionen auf vielleichtaberdoch.de

Klappentext von Der Oktobermann

Die Flüsse von London‹ fließen nach Deutschland …

… denn auch hierzulande gibt es magische Vorkommnisse! Das deutsche Pendant zu Peter Grant heißt Tobi Winter und arbeitet beim BKA (Abteilung für komplexe und diffuse Angelegenheiten, sprich: Magie). Tobi bekommt es mit seltsamen Bräuchen in den Weinbergen rund um Trier zu tun – und mit einem übernatürlichen Rätsel, das schon Hunderte von Jahren alt ist. Selbstverständlich hat in dieser Gegend auch die Mosel ein Wörtchen mitzureden, wenn es magisch wird.
(Quelle)

Der Oktobermann - Peter Grant / Tobi Winter 8 (Ben Aaronovitch) - Die Flüsse von London im dtv-Verlag. Buchrezensionen auf vielleichtaberdoch.de

„Peter Grant hätte garantiert eine Markierung angebracht,
dachte ich. Und wahrscheinlich hätte er mit einem Laser-Entfernungsmessgerät die
Wachstumsgeschwindigkeit in Millimetern pro Stunde berechnet.“
TOBI WINTER, DER OKTOBERMANN

Wie könnte es weitergehen?

Es gibt natürlich einiges an Spekulationen, gerade auch befeuert durch das Ende von Die Glocke von Whitechapel, dem aktuellen Roman der Hauptreihe, der im Frühjar 2019 erschienen ist. Aber auch die Zahlen sprechen für sich: sieben Romane um Peter Grant und eine Story – hat der britische Magier langsam ausgedient und wird nun nach und nach durch internationale Kolleg*innen ersetzt?
Ich bezweifle ehrlich gesagt, dass Ben Aaronovitch seinen Helden so schnell „platt machen“ wird. Dass er nämlich gern von London schreibt, ist jedem seiner Bücher anzumerken. Aber ich glaube durchaus, dass es in Zukunft mehr Bücher mit anderen Held*innen gibt – vielleicht eine französische Zauberin, die sich mit dem Gott der Seine herumschlagen muss, während uralte Geister im Louvre spuken? Oder einen smarten Südstaaten-Magier, der es gleich mit der Göttin des Mississippi und dem Geist des Lake Pontchartrain zu tun bekommt?

Fazit: Auch wenn dieser Teil wieder etwas kürzer ist, es ist eben „nur“ eine Story, mochte ich Handlung und Figuren sehr gern. Mehr noch: Ich will mehr von Tobi und Vanessa lesen, mehr über die internationalen Abkommen zwischen Nightingale, der „Hexe aus dem Osten“ und anderen führenden Magier*innen wissen. Ich hoffe daher, dass wir künftig (und zeitnah) mehr von diesem Duo lesen werden. Und vielleicht auch von einer Begegnung der Zauberlehrlinge?

Buchrezension Bewertung

Bibliographische Angaben

Titel: Der Oktobermann (Eine Tobi-Winter-Story)*
Autor: Ben Aaronovitch
Originalsprache: englisch; „The October Man: A Rivers of London Novella“
gelesen auf: deutsch
Version: Taschenbuch
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft (20. September 2019)
ASIN: B07R59YLHR
ISBN: 978-3423218054
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 208 Seiten
Preis: 8,95€ (TB), 7,99€ (eBook)

* Das Rezensionsexemplar von Der Oktobermann wurde mir freundlicherweise vom dtv Verlag kostenfrei zur Verfügung gestellt. Dies hat meine Meinung jedoch nicht beeinflusst.

Der Oktobermann - Peter Grant / Tobi Winter 8 (Ben Aaronovitch) - Die Flüsse von London im dtv-Verlag. Buchrezensionen auf vielleichtaberdoch.de

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