Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten – Becky Chambers

In den Sci-Fi-Roman von Becky Chambers hatte ich mich binnen zehn Seiten verliebt. Ab da hieß es bangen, dass die Story bis zum Ende vielversprechend blieb. Der sperrige aber auch etwas ironische Titel Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten klang verlockend – eine Space Odyssee hatte ich viel zu lange nicht mehr. Hat sie meine Erwartungen bis zum Schluss gehalten?

Worum geht es?

Rosemary braucht dringend einen neuen Job. Und eigentlich auch ein neues Leben. Da schreckt sie auch vor der eher ungemütlichen Billigflug-Variante in Form einer interstellaren Kapsel-Reise nicht zurück. Glück für die Passagiere: während im 21. Jahrhundert die Insassen eines Billigfliegers ihre Reise halb zusammengefaltet bei vollem Bewusstsein durchleben müssen, gibt es in Rosemarys Zeitalter eine Form der Narkose während der Fahrt. Ziemlich durch bist du bei der Ankunft am Ziel trotzdem. Und ihr Ziel, das ist die Wayfarer.

„Es war das hässlichste Schiff, das Rosemary je gesehen hatte. […] Ein Patchwork-Schiff.“

Die Wayfarer ist ein angeranztes Raumschiff mit einer kleinen abgedrehten Crew – und Rosemary ist nun eine von ihnen. Schnell wird klar, wovor sie auch weglaufen mag, sie ist anderes gewohnt. Und so stolpern wir Leser*innen mitsamt Rosemary in die erste gemeinsame Mission der kleinen Raumschiff-Crew: ein bisher feindliches Planetensystem will der Allianz künftig beitreten und es soll ein Wurmlochtunnel dorthin gegraben werden. Für die Crew ein finanzieller Segen und mit dem Erstellen von Tunneln kennen sie sich bestens aus.

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten (Becky Chambers) - Buchrezension auf vielleichtaberdoch.de

Klappentext zu Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten

Willkommen an Bord der Wayfarer!

Als die junge Marsianerin Rosemary Harper auf der Wayfarer anheuert, wird sie von äußerst gemischten Gefühlen heimgesucht – der ramponierte Raumkreuzer hat schon bessere Zeiten gesehen, und der Job scheint reine Routine: Wurmlöcher durchs Weltall zu bohren, um Verbindungswege zwischen weit entfernten Galaxien anzulegen, ist auf den ersten Blick alles andere als glamourös.
Die Crewmitglieder, mit denen sie nun auf engstem Raum zusammenlebt, gehören den unterschiedlichsten galaktischen Spezies an. Da gibt es die Pilotin Sissix, ein freundliches und polyamoröses reptilienähnliches Wesen, den Mechaniker Jenks, der in die KI des Raumschiffs verliebt ist, und den weisen und gütigen Dr. Chef, der einer aussterbenden Spezies angehört.
Doch dann nimmt Kapitän Ashby den ebenso profitablen wie riskanten Auftrag an, einen Raumtunnel zu einem weit entfernten Planeten anzulegen, auf dem die kriegerische Rasse der Toremi lebt. Für Rosemary verwandelt sich die Flucht vor der eigenen Vergangenheit in das größte Abenteuer ihres Lebens. [Quelle]

So spannende Charaktere und intergalaktische Spezies

An der Story haben mir zwei Dinge ganz besonders gefallen. Zum einen die Reise selbst. Die Wayfarer wird den Leser*innen so liebevoll beschrieben, dass man den zusammengezimmerten Schrotthaufen am liebsten gleich selbst beziehen möchte. Das macht auch die Reise des Raumschiffs zu einem Abenteuer für sich. Zum anderen hat mir die Charaktervielfalt enorm gefallen. Betty Chambers hat sehr interessante Spezies geschaffen und diese auch spannend dargestellt. So konnte ich mir alles wunderbar vorstellen und hatte doch keine langweiligen, seitenlangen Beschreibungen einer Spezies zu befürchten.
Ein wichtiger Aspekt in dieser ganzen Spezies-Geschichte ist auch, dass die Menschen ziemlich weit unten im intergalaktischen Ansehen stehen. Für uns so typische und normale Handlungen und Einstellungen verwirren viele der nichtmenschlichen Spezies des Romans total.
So ist es für die Pilotin Sissix unvorstellbar, dass Menschen immer erst Kinder und junge Menschen bei Gefahren retten und die älteren zurückbleiben. Für ihre Spezies sind Kinder noch keine fertigen Personen, da sie noch so viel lernen müssen. Aus unserer menschlichen Perspektive ein merkwürdige und auch krasser Gedanke. Und auch der Chefkoch des Schiffes empfindet die Menschen als sehr interessantes Forschungsfeld.

Und dann gilt es ja noch zu klären, welche Vergangenheit Rosemary vor der Crew verschweigt.

Fazit: Wahnsinnig spannender und vielschichtiger Science-Fiction-Roman in Form einer Weltraumreise und ohne viel Knall und Wums in Form orchestrierter Weltraumschlachten. Eine liebevoll durchdachte Crew, die einigen Wendungen ausgesetzt ist, ist inklusive. Eine sehr klare Empfehlung für alle Freunde von Star Trek und Co.

Buchrezension Bewertung

Bibliographische Angaben

Titel: Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten
Autorin: Becky Chambers
Originalsprache: englisch
gelesen auf: deutsch
Version: eBook
Verlag: FISCHER Tor; Auflage: 1 (27. Oktober 2016)
ASIN: B01EVZNQEQ
ISBN: 978-3596035687
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 544 Seiten
Preis: 9,99€ (TB), 8,49€ (eBook)

Der lange Weg zu einem kleinen zornigen Planeten (Becky Chambers) - Buchrezension auf vielleichtaberdoch.de

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