Berühre Mich. Nicht. – Laura Kneidl

Über Laura Kneidl bin ich in den letzten Monaten immer mal wieder gestolpert, zumal ihr aktuelles Buch „Someone New“ eine ganze Zeit lang weder von den Bloggetischen in Buchhandlungen von von Bookstagram wegzudenken war. Kurzentschlossen wanderte die Duologie „Berühre Mich. Nicht.“ und „Verliere mich. Nicht.“ Von ihr in meinem Einkaufskorb. Nachdem mich das Cover der Reihe von Anfang an absolut fasziniert hat, war ich sehr gespannt, ob der Inhalt da mithalten kann.

Liebe kann es nicht für alle geben – oder?

Die Geschichte ist aus der Perspektive von Sage geschildert. Die junge Frau fängt in dem Versuch, ihre Vergangenheit hinter sich zu lassen, fast mittellos in ihrer Universitätsstadt ein neues Leben an. Obwohl sie ihre Mutter und auch ihre jüngere Schwester sehr vermisst, hält sie den Kontakt kaum, um endlich den Schatten ihrer Kindheit und Jugend zu entkommen.
Zum Glück trifft sie schon zu Beginn mit April eine wunderbare neue Freundin, die ihr ein Halt in der Fremde ist. Auch stört sich April scheinbar nicht daran, dass Sage das neue Semester in einem Auto hausend beginnt. Dennoch ist Sage sehr darum bemüht, ihre Vergangenheit vor ihrer neuen Freundin und ihrem neuen Leben zu verbergen.

Da wir die Geschichte aus ihrer Perspektive erleben, wird schnell klar, dass das alles andere als einfach ist. Lange Zeit wird nicht genau beschrieben, was genau ihr wiederfahren ist und vor allem, vor wem sie sich so fürchtet. Stattdessen stehen ihre Versuche im Zentrum, ein normales Leben zu führen, ohne das die ständige Angst und stetige Panikattacken ihren Alltag kontrollieren.

Klingt erstmal so, als ob es unmöglich sein muss, einen solchen Charakter zu verkoppeln oder?

»Ich zögerte.
Nein, ich zögerte nicht, ich wusste, dass ich ihn nicht anfassen würde.
Er war mir ohnehin schon zu nahe.«

SAGE. Berühre Mich. Nicht. – Laura Kneidl

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Klappentext von „Berühre Mich. Nicht.“

Als Sage in Nevada ankommt, besitzt sie nichts – kein Geld, keine Wohnung, keine Freunde. Nichts außer dem eisernen Willen, neu zu beginnen und das, was zu Hause geschehen ist, zu vergessen. Das ist allerdings schwer, wenn einen die Erinnerungen auf jedem Schritt begleiten und die Angst immer wieder über einen hereinbricht. So auch, als Sage ihren Job in einer Bibliothek antritt und dort auf Luca trifft. Mit seinen stechend grauen Augen und seinen Tätowierungen steht er für alles, wovor Sage sich fürchtet. Doch Luca ist nicht der, der er auf den ersten Blick zu sein scheint. Und als es Sage gelingt, hinter seine Fassade zu blicken, lässt das ihr Herz gefährlich schneller schlagen … (Quelle)

Sensible Thematik und ein sehr sanfter Umgang damit

Ich bin noch immer fasziniert, wie sanft Laura Kneidl mit der Thematik umgeht. Und obwohl Sage immer wieder nach jedem Schritt vorwärts mindestens einen zurück macht, krabbelt sie langsam und behutsam aus ihrem Schneckenhaus, arbeitet an sich und öffnet sich langsam. Die Liebesgeschichte von Sage und Luca ist keine rasante Achterbahnfahrt, sondern das genaue Gegenteil. Aber beide Charaktere brauchen genau das und entgegen meiner anfänglichen Befürchtung, verliert das Buch dadurch nicht an Spannung. Im Gegenteil. Und es wäre zudem auch verstörend gewesen, wenn Sage nach all den Dingen, die ihr angetan wurden, bei nächstbester Gelegenheit an Lucas Hals gehangen hätte.
Stattdessen nimmt Laura Kneidl ihre Protagonistin mit und lässt sie neben aller Angst auch die Hoffnung erfahren, die Verwirrung, diese Gefühle einordnen zu müssen und es irgendwie nicht zu können. Und das Erkennen, dass nicht unsere Erscheinung automatisch darauf schließen lässt, was für Menschen wir sind.

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Unerwarteter Spannungsaufbau, getragen auch von den sympathischen Nebencharakteren

Der Spannungsbogen von Verliere mich. Nicht. ist ungewöhnlich, aber genau darum auch so wundervoll. Es geht bei Luca und Sage nicht darum, dass jede Nacht besser wird als die vorherige und auch nicht darum, gemeinsam möglichst viele Dinge zu erleben. Diese beiden Charaktere müssen sich selbst finden und das schaffen sie im Verlaufe des Buches auch. Und doch holt die Realität sie wieder ein und bietet Platz für den Abschlussband Verliere mich. Nicht.

Eine wichtige Rolle spielen auch die gut gewählten Nebencharaktere, die mit ihren Eigenschaften und ihrer Art nicht nur die Geschichte mittragen, sondern auch in ihrer Interaktion mit den beiden Hauptcharakteren, von diesen ein komplexeres Bild ermöglichen.

»Ich wünschte mir sehr, ihm erklären zu können,
wie viel mir seine Nähe bedeutete.
Er hatte Licht in meine Dunkelheit gebracht.«

SAGE. Berühre Mich. Nicht. – Laura Kneidl

Hilflosigkeit und Wut, aber auch ein stetes Kribbeln im Bauch

Dieses Buch hat mich hilflos zurückgelassen. Hilflos, weil Sage so grausame Dinge erlebt hat und ihr scheinbar normale Dinge nicht gelingen wollen, wie etwa mit einem Mann zu reden. Aber auch, weil dieser tolle Mensch, den Laura Kneidl da kreiert hat, all diese Sorgen und Ängste mit sich allein ausmacht. Das Buch zeigt nur allzu deutlich, mit welchen Schuldgefühlen sich die Opfer quälen und wie enorm schwer es ist, den scheinbar so leichten Weg zu gehen und sich anderen anzuvertrauen.
Für mich ein sehr wichtiger Punkt ist daher auch Sages Erkenntnis, dass sie allein mit all den Gefühlen und Problemen nicht klar kommt und sie sich daher Hilfe holt.

Fazit: Alles andere als eine leichte Geschichte, die Laura Kneidl hier geschrieben hat. Aber wer sie lesen will, wird mit einer sanften Liebesgeschichte, zwei starken Charakteren und auch jeder Menge schönen Momenten zwischen diesen belohnt.

Buchrezension Bewertung

Weitere Rezensionen zum Buch gibt es zum Beispiel bei Katja, Nicole und Danni.

Bibliographische Angaben

Titel: Berühre mich. Nicht.
Autorin: Laura Kneidl
Originalsprache: englisch
gelesen auf: deutsch
Version: Taschenbuch/Broschiert
Verlag: LYX; Auflage: 11. Aufl. 2017 (26. Oktober 2017)
ASIN: B071HLB5FH
ISBN: 978-3736305274
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 464 Seiten
Preis: 12,90€ (TB), 9,99€ (eBook)

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