Autoreninterview: Christopher Paolini und die Welt von Eragon

Auf der Leipziger Buchmesse hatte ich kürzlich die Gelegenheit, Christopher Paolini, den Autor der Eragon-Bücher zu interviewen. Vor einiger Zeit habe ich Dir im Blog auch sein neues Buch, „Die Gabel, die Hexe und der Wurm. Geschichten aus Alagaësia.“, vorgestellt. Und nun hatte ich die Gelegenheit, ein bisschen mit ihm zu plaudern.
Am Ende des Artikels verrate ich Dir dann noch, wo du den zweiten Teil dieses Interviews lesen kannst.

Christopher Paolini, 1983 in Los Angeles (USA) geboren, wurde durch seine Eragon-Reihe bekannt. Mit nur fünfzehn Jahren schrieb er den Beginn einer Fantasy-Tetralogie, die bis heute millionenfach verkauft und zum Teil sogar zu New York Times Bestsellern gekürt wurde.
Zur Vorstellung seines neuen Buches „Die Gabel, die Hexe und der Wurm. Geschichten aus Alagaësia.„, dem Auftakt einer mehrteiligen Kurzgeschichtensammlung, war Paolini im März in mehreren europäischen Ländern unterwegs. Bei seinem Zwischenstopp in Leipzig, bei dem er auch aus seinem neuen Buch gelesen hat, habe ich ihn gemeinsam mit Missi getroffen.

Wir beginnen gleich mit der wichtigsten Frage. Anfang des Jahres ist dein neues Buch erschienen. Wie hat es sich angefühlt, nach so langer Zeit die Geschichte um Eragon weiterzuschreiben?
Aufregend und vor allem auch sehr nostalgisch. Als ich anfing, das erste Kapitel zu schreiben, fühlte es sich an, wie nach einer langen Reise wieder nach Hause zu kommen. Und ich habe mich selbst gefragte, warum ich eigentlich so lange gewartet hatte. Es war so leicht, wieder in die Welt einzutauchen und ich habe das Schreiben wieder so sehr genossen.

Im Jahr 2002 wurde die Originalausgabe deines ersten Buches herausgegeben. Erinnerst du dich noch daran, wie sich das angefühlt hat?
Natürlich erinnere ich mich daran, wie verrückt das war. Ich erinnere mich auch an den Moment, als mir zum ersten mal jemand sagte: “Ich habe dein Buch gelesen!”. Das war nach dem Soft-Publishing von Eragon und ich wusste nicht, ob mein Buch wirklich gut ist. Dadurch war ich mir eines jeden Kommentars auf eine sehr empfindliche Weise bewusst – und habe mich ständig gefragt, ob meine Bücher nun eigentlich sind oder nicht. Es hat wirklich lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass es da Leute gibt, die meine Bücher mögen. Und dass sie die Geschichte mit jedem weiteren Buch immer noch mögen. Und dann war da dieser Moment, als während Veranstaltungen Leute zu mir kamen und mir mitteilten, sie hätten ihre Kinder nach Charakteren aus meinen Büchern benannt – oder Tattoos auf ihren Körpern, die von meiner Welt inspiriert wurden! Ich kann eigentlich gar nicht in Worte fassen, wie dankbar ich für all das bin – denn das ist es, was es mir erlaubt, weiterhin die Geschichten zu erzählen, die ich erzählen will.

Du warst ja auch sehr jung, als dein erstes Buch erschienen ist. Würdest du die Geschichte heute anders erzählen?
Wahrscheinlich schon. Ich bin schließlich nicht mehr die Person, die ich damals gewesen bin. Ich bin inzwischen auch viel erfahrener im Schreiben und würde allein deshalb besser schreiben. Aber ich würde auch heute noch die gleiche Geschichte erzählen. Die Geschichte, so wie sie ist, wollte ich genau so schreiben – daran hat sich nichts geändert. Zwar gibt es verständlicherweise kleinere Dinge, die ich ändern würde, aber im Großen und Ganzen bin ich noch immer sehr zufrieden.

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Kannst du ein Beispiel geben, was du ändern würdest?
Möglicherweise würde ich noch eine Szene zwischen Eragon und Saphira schreiben – über diesen Jungen, der einen Drachen aufzieht. Ich mag diese Sequenz sehr. Und ich würde ein Kapitel aus Nasuadas Sicht hinzufügen, zu der Zeit, als die Varden von der Zwergenstadt nach Surda reisen. Im Buch gab es letztendlich keinen Ausschnitt aus dieser langen Reise zu sehen und das ist eigentlich sehr schade. Ich denke, diese Szenen wären schön – aber insgesamt ist es mehr die Struktur, an der ich nochmal arbeiten würde.

Also ganz so wie du eben schon gesagt hast: Du hast die Geschichte erzählt, die du erzählen wolltest. Und das hast du mit einer Vielzahl an Charakteren getan. Welchen magst du persönlich am liebsten?
Saphira. Tatsächlich ist sie der Grund, weshalb ich die Reihe überhaupt geschrieben habe und ihre Beziehung zu Eragon ist das Herzstück der Geschichte.
Im neuen Buch ist es Urgal character [NAME of the CHARACTER], weil sie ein sehr starker und interessanter Charakter ist – es hat Spaß gemacht, sie zu schreiben.

Und welcher Charakter hat dir beim Schreiben Sorgen bereitet?
Ich würde jetzt nicht direkt von “Sorgen” sprechen. Aber es war auf jeden Fall sehr schwierig, über Arya zu schreiben. Sie ist als hundertzwanzig jährige Elfenprinzessin wohl am weitesten entfernt von einem fünfzehnjährigen Jungen. Manchmal machte ich also den Fehler, über sie so nachzudenken, wie Eragon über sie dachte, anstatt darüber, wie sie tatsächlich war. Sie war ein schwer zu beschreibender Charakter, aber am Ende hatte ich Dreh, glaube ich, ganz gut raus.

Waren es eher die kleinen Dinge, die nicht gepasst haben? Oder so sprachliche Probleme?
Ich hatte nie Probleme damit, zu schreiben, wie sie spricht. Es waren eher so Elemente der zwischenmenschlichen Art zwischen ihr und Eragon. Zum Beispiel auch, ob sie seine Zuneigung erwidern würde oder nicht.

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Wir diskutierten gemeinsam meine Ideen, ich beriet sie bei Fragen zur Geschichte und sie half mir, meine Arbeit zu bearbeiten, es war eine wunderbare Erfahrung!
Christopher Paolini über die Arbeit mit seiner Schwester Angela.

Lass uns über deine Schwester reden. In der Welt Alagaësia hast eine Figur nach deiner Schwester benannt – was ist die Verbindung zwischen beiden?
Den auf meiner Schwester basierende Charakter habe ich eigentlich als Parodie geschrieben. Mit fünfzehn Jahren amüsierte es mich sehr und zum Glück für mich hatte meine Schwester einen Sinn für Humor, sonst würde ich jetzt möglicherweise nicht hier sitzen. Aber es war mehr als das: Wir diskutierten gemeinsam meine Ideen, ich beriet sie bei Fragen zur Geschichte und sie half mir, meine Arbeit zu bearbeiten, es war eine wunderbare Erfahrung!
Diesmal kam sie dann zu mir und sagte, sie habe eine Idee für die Figur, die auf ihr basierte, und ich sagte ihr nur: Geh und schreib es auf. Und das tat sie. Und ich weiß, dass wir hier sitzen, aber es ist ihre Geschichte und ich bin sehr glücklich darüber, was die Geschichte geworden ist. Sie ist eine ausgezeichnete Autorin und ich lese gerne ihre Erzählstimme, deshalb hoffe ich, dass die Leute in Zukunft noch mehr von ihr lesen können.

Plant sie, noch mehr Bücher zu schreiben?
Sie plant, mehr Fiktion zu schreiben. Sie arbeitet an einigen Drehbüchern und anderen Dingen und es liegt allein an ihr, ob sie es veröffentlichen möchte.

Und sie wird sich dir für die nächsten Geschichten aus Alagaësia wieder anschließen?
Ich habe ehrlich keine Ahnung. Vielleicht schreibt sie etwas aus Alagaësia, vielleicht etwas in dem von uns geschaffenen Science-Fiction-Universum oder vielleicht etwas ganz anderes.

Weiter mit den nächsten Fragen an Christopher Paolini geht es bei Missi auf ihrem Blog himmelsblau.org. Erfahre dort, ob noch weitere Charaktere aus der Eragon-Reihe auf realen Personen basieren, was für ein Charakter Paolini wäre, wenn er selbst in Alagaësia leben könnte und an welchen Projekten der Autor zur Zeit noch arbeitet. Zum Interview.

Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei Christopher Paolini bedanken, der trotz seines engen Zeitplans der Europatournee Zeit für uns gefunden hat. Und auch beim cbj-Verlag, vor allem bei Sonja und Andrea, die uns dieses Gespräch ermöglicht, es organisiert und begleitet haben. Vielen Dank!

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